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               <title level="a"> Stuttgarter Landtagsabschied (<date when="1565-06-19">19. Juni 1565</date>) - Einleitung </title>
               <title level="s">Europäische Religionsfrieden Digital </title>
               
               <author role="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/aui" ref="https://orcid.org/0009-0002-3635-3935">
                    <persName>Hans-Otto Schneider</persName>
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                    <resp ref="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/mrk">Mitarbeit</resp>
                    <persName>Kevin Wunsch</persName>
                    <persName>Kevin Kuck</persName>
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               <edition>Digitale Edition gemäß <ref target="http://www.tei-c.org/">TEI P5</ref>
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               <funder>Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz</funder>
                <principal>Unter der Leitung von Irene Dingel und Thomas Stäcker</principal>
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               <date when="2024" type="issued">2024</date> <!-- Datum anpassen -->
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         <!-- Beginn der gesamten Einleitung -->


         <head>Stuttgarter Landtagsabschied (<date when="1565-06-19">19. Juni 1565</date>) - Einleitung</head>

         <!-- Beginn Kapitel "1. Historischer Kontext" -->

         <tei:div type="chapter" n="1">
            <head>Historischer Kontext</head>

            <tei:div type="section" n="1">
               <head type="sub">Zur Vorgeschichte</head>
               <p>Als Herzog <rs type="person" ref="#ulrich_wuerttemberg">Ulrich</rs> von Württemberg am <date when="1550-11-06">6. November 1550</date> auf <rs type="place" ref="#hohentuebingen_schloss">Schloss Hohentübingen</rs> starb, hinterließ er seinem Sohn <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christoph</rs> ein schwieriges Erbe: 
                  Es drohte der Verlust der Landesherrschaft, denn <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">Württemberg</rs> hatte seit dem <rs type="event" ref="#vertrag_kaaden_1534">Vertrag von Kaaden 1534</rs> den Status eines österreichischen Afterlehens<note type="annotation">Württemberg kam damit unter die Lehensherrschaft Österreichs und war nicht länger reichsunmittelbar. Erst 1599 erreichte Herzog <rs type="person" ref="#friedrich_i_wuerttemberg">Friedrich</rs> im Prager Vertrag die neuerliche Anerkennung <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">Württembergs</rs> als Reichslehen durch Kaiser <rs type="person" ref="#rudolf_ii">Rudolf II.</rs>
                        </note>, und König <rs type="person" ref="#ferdinand_i">Ferdinand</rs> hatte einen Prozess wegen Lehensverrats (Felonie) gegen Herzog <rs type="person" ref="#ulrich_wuerttemberg">Ulrich</rs> angestrengt wegen dessen Teilnahme am Schmalkaldischen Krieg auf protestantischer Seite. 
                  Die Schuldenlast des Landes war stark angewachsen, weil <rs type="person" ref="#ulrich_wuerttemberg">Ulrich</rs> im <rs type="event" ref="#vertrag_heilbronn_1547">Heilbronner Vertrag von 1547</rs> den Waffenstillstand mit dem <rs type="person" ref="#karl_v">Kaiser</rs> gegen Zahlung von 300.000 Gulden vereinbart hatte. 
                  Zugleich litt die Bevölkerung unter der bis <date to="1552">1552</date> andauernden Besatzung des Landes durch spanische Truppen <rs type="person" ref="#karl_v">Karls V.</rs>, die die Umsetzung des <rs type="event" ref="augsburger_interim">Augsburger Interims</rs> mit militärischem Druck durchsetzen sollten.                  
                  Es gelang Herzog <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christoph</rs> jedoch in den Folgejahren, eine umfassende Konsolidierung <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">seines Landes</rs> in die Wege zu leiten. Dazu gehörte neben der Entschuldung auch die bekenntnismäßige, organisatorische und wirtschaftliche Absicherung der evangelischen Kirche in <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">Württemberg</rs>, grundgelegt in der Großen Kirchenordnung von 1559, die weithin auf <rs type="person" ref="#brenz_johannes">Johannes Brenz</rs>, einen der führenden Theologen <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">Württembergs</rs>, zurückgeht,<note type="annotation">In der Großen Kirchenordnung von 1559 (vgl. VD16 W 4527 <ref target="https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10147671?page=,1" type="ex">[Digitalisat]</ref>) sind zahlreiche Ordnungen und Erlasse der Vorjahre zusammengefasst, darunter nicht zuletzt die Confessio Virtembergica, die der spätere Stuttgarter Stiftspropst <rs type="person" ref="#brenz_johannes">Johannes Brenz</rs> 1552 im Auftrag Herzog <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christophs</rs> zur Vorlage auf dem <rs type="event" ref="#trient_konzil">Konzil von Trient</rs> erstellt hatte, sowie die Kirchenordnung von 1553, die <rs type="person" ref="#brenz_johannes">Brenz</rs> unter Verwendung diverser Vorlagen, darunter auch sein Katechismus, ausgearbeitet hatte.</note> und im Landtagsabschied von 1565. 
                  Unter Herzog <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christoph</rs> wurde zudem das württembergische Landrecht kodifiziert.<note type="annotation">Veröffentlicht <date when="1555">1555</date> (<q>New Landtrecht des Fürstenthumbs Würtemberg</q> [VD16 W 4513]<ref target="https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00029196?page=6,7" type="ex">[Digitalisat]</ref>), überarbeitet <date when="1567">1567</date> (<q>Des Fürstenthumbs Würtemberg gemein Landtrecht</q> [VD16 W 4514] <ref target="https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11404142?page=,1" type="ex">[Digitalisat]</ref> bzw. [VD16 W 4515]<ref target="https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10144855?page=2,3" type="ex">[Digitalisat]</ref>); weitere Überarbeitung veröffentlicht <date when="1610">1610</date> (<q>Des Hertzogthumbs Württemberg Ernewert Gemein Landtrecht</q> [VD17 1:016993S]<ref target="https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10490337?page=16,17" type="ex">[Digitalisat]</ref> bzw. [VD17 7:708509C]).</note>
                    </p>
            </tei:div>
            <tei:div type="section" n="2">
               <head type="sub">Der Stuttgarter Landtag 1565</head>
               <p>Zentraler Gegenstand der Verhandlungen auf dem Landtag, der vom <date from="1565-05-14" to="1565-06-20">14. Mai bis 20. Juni 1565</date> in <rs type="place" ref="#stuttgart_stadt">Stuttgart</rs> stattfand, war die von Herzog <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christoph</rs> gewünschte Übernahme von 1,2 Millionen Gulden Kammerschulden durch die Landstände. Bereits im Tübinger Vertrag von <date when="1514">1514</date> hatten die württembergischen Stände erhebliche Rechte bei der Steuerbewilligung erhalten. 
                  Bei entsprechender Gelegenheit 1554, als es um die Bewilligung von 920.000 Gulden zur Schuldentilgung ging, erreichten die Stände unter anderem eine dauerhafte Regierungsbeteiligung mittels Ausschüssen.<note type="annotation">Der Landtagsabschied vom 8. Januar 1554 ist bei Reyscher [s. u. 4.2.2], 112-121, abgedruckt. Der Kleine bzw. engere Ausschuss bestand aus acht Mitgliedern, nämlich den Prälaten von <rs type="place" ref="#bebenhausen_kloster">Bebenhausen</rs> und <rs type="place" ref="#denkendorf_kloster">Denkendorf</rs> sowie sechs Vertretern von Amtsstädten, darunter <rs type="place" ref="#stuttgart_stadt">Stuttgart</rs> und <rs type="place" ref="#tuebingen">Tübingen</rs>; der große Ausschuss bestand aus den Mitgliedern des engeren Ausschusses, zwei weiteren Prälaten und sechs weiteren städtischen Repräsentanten.</note>
                  1565 forderten die Stände nun als Gegenleistung vor allem die Absicherung des lutherischen Bekenntnisstandes und der Kirchenorganisation im Herzogtum <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">Württemberg</rs>. Dabei stand die Rechtgläubigkeit Herzog <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christophs</rs> außer Zweifel,<note type="annotation">
                            <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christoph</rs> war am habsburgischen, französischen und bayerischen Hof im alten Glauben erzogen worden, hatte sich jedoch in den 1540er Jahren dem Luthertum zugewandt.</note> das galt jedoch nicht in gleicher Weise für dessen ältesten Sohn und präsumptiven Nachfolger <rs type="person" ref="#eberhard_wuerttemberg">Eberhard</rs>; außerdem hatte man den Übergang der <rs type="place" ref="#pfalz_kurfuerstentum">Kurpfalz</rs> zum Calvinismus unter Kurfürst <rs type="person" ref="#friedrich_iii_pfalz">Friedrich III.</rs> als abschreckendes Beispiel vor Augen. Herzog <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christoph</rs> bot an, den Konfessionsstand und die kirchliche Ordnung auf testamentarischem Wege zu sichern; er zögerte jedoch, die Religionsfrage auf dem Vertragswege mit den Landständen zu regeln, weil er darin einen Verzicht auf ein wesentliches, im <rs type="event" ref="augsburger_religionsfrieden">Augsburger Religionsfrieden</rs> verbrieftes Herrschaftsrecht sah. Die Landstände forderten das Recht für Landschaft und Prälaten, die Einführung einer anderen Konfession nicht dulden zu müssen. 
                  In einem entsprechenden Entgegenkommen sah Herzog <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Christoph</rs> allerdings das Zugeständnis eines Widerstandsrechts der Stände, das er nicht akzeptieren wollte. <rs type="person" ref="#brenz_johannes">Johannes Brenz</rs>, der als langjähriger theologischer Berater das Vertrauen des <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Herzogs</rs> genoss, erreichte schließlich die Einigung durch ein Gutachten<note type="annotation">Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 34 Bü 16 d / 45.</note>, in dem er ausführte, ein Vertrag zwischen Herzog und Ständen, bei der einmal für Recht erkannten Religion bleiben zu wollen, begründe kein Widerstandsrecht der Untertanen. Im Landtagsabschied solle im Zusammenhang mit dem Verzicht des Herzogs auf sein Reformationsrecht die Pflicht christlicher Untertanen zum Gehorsam gegenüber ihrer Obrigkeit ausdrücklich festgehalten werden. So wurde im Landtagsabschied vom <date when="1565-06-19">19. Juni 1565</date> die Übernahme der herzoglichen Kammerschulden von 1,2 Millionen Gulden zuzüglich der fälligen Zinsen beschlossen; die Confessio Augustana von 1530 und die Confessio Virtembergica von 1552 wurden als Grundlage des Konfessionsstandes bestätigt und das Recht von Prälaten und Landschaft anerkannt, eine andere Konfession abzulehnen, falls der Versuch unternommen werden sollte, eine solche einzuführen.
                  Der Prälatenstand wurde als zweiter Landstand bestätigt, ebenso die separate Verwaltung des Kirchenvermögens und der geistlichen Einkünfte, die vorrangig für kirchliche Zwecke verwandt werden sollten, in Ausnahmefällen auch für Notsituationen des Landes. Festgeschrieben wurde ferner der Bestand der Klosterschulen und des Tübinger Stifts. Darüberhinaus wurden detaillierte Regelungen zur Verbesserung von Forst- und Landwirtschaft getroffen.</p>
            </tei:div>
            <tei:div type="section" n="3">
               <head type="sub">Bedeutung und weitere Entwicklung</head>
               <p>Der Landtagsabschied von 1565 gehört zu den württembergischen <q>Landeskompaktaten</q>, den wesentlichen
                  Staatsgrundgesetzen. Die darin festgeschriebene Ordnung des Kirchenwesens in Relation zu den Landständen blieb in ihren wesentlichen Grundzügen gültig bis zum Ende des Alten Reiches, Konfession und ständische Ordnung stützten einander gegenseitig. Als Herzog <rs type="person" ref="#karl_alexander_wuerttemberg">Karl Alexander</rs>, der <date when="1712">1712</date> zum römischen Katholizismus konvertiert war, <date when="1733">1733</date> die Regierung antrat, bestätigte er in den sogenannten <q>Religionsreversalien</q>
                        <note type="annotation">Vgl. Hauptstaatsarchiv Stuttgart G 196 Bü 12.</note> die protestantische Landeskonfession; die landesbischöflichen Rechte gingen dabei vom Herzog auf den Geheimen Rat über. Herzog <rs type="person" ref="#karl_alexander_wuerttemberg">Karl Alexander</rs> starb bereits <date when="1737">1737</date>. Noch bevor die Regentschaft für dessen minderjährigen Sohn <rs type="person" ref="#karl_eugen_wuerttemberg">Karl Eugen</rs> endete, ließen sich die Landstände den Landtagsabschied von 1565 durch Kaiser <rs type="person" ref="#karl_vii">Karl VII.</rs> in einer Urkunde bestätigen, die am <date when="1743-11-04">4. November 1743</date> in <rs type="place" ref="#frankfurt_main">Frankfurt am Main</rs> ausgestellt wurde.<note type="annotation">Vgl. HStAS L 1 U 259.</note> 
                  Gegenüber absolutistischen Tendenzen <rs type="person" ref="#karl_eugen_wuerttemberg">Karl Eugens</rs> konnten sich die Stände insofern durchsetzen, als der <rs type="person" ref="#karl_eugen_wuerttemberg">Herzog</rs> im <q>Erbvergleich</q> von 1770 ihre althergebrachten Rechte erneut bestätigen musste.<note type="annotation">Vgl. HStAS A 37 U 59.</note> 
                  Die Territorialveränderungen im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses und des Wiener Kongresses beendeten die weitgehende konfessionelle Homogenität <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">Württembergs</rs>, so dass die politische Verfassung an die veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung angepasst werden musste. Gleichwohl bestehen einige der 1565 festgeschriebenen kirchlichen Strukturen und Einrichtungen, teilweise modifiziert, bis in die Gegenwart fort.</p>
            </tei:div>


         </tei:div>


            <!-- Beginn Unterkapitel "2.1. Unterzeichner" -->

         <!-- Ende Kapitel "1. Historischer Kontext" -->

         <!-- Beginn Kapitel "2. Unterzeichner und Unterhändler" -->

         <tei:div type="chapter" n="2">
            <head>Unterzeichner und Unterhändler</head>
            <tei:div type="section" n="1">
               <head type="sub">Unterzeichner</head>
               <p>Folgende Personen und Institutionen bestätigten den Landtagsabschied mit ihren Siegeln:<lb/>
                  <rs type="person" ref="#christoph_wuerttemberg">Herzog Christoph von Württemberg</rs>,
                  der Prälat zu <rs type="place" ref="#bebenhausen_kloster">Bebenhausen</rs> (damals <rs type="person" ref="#bidembach_eberhard">Eberhard Bidembach</rs>),
                  der Prälat zu <rs type="place" ref="#herrenalb_kloster">Herrenalb</rs> (damals <rs type="person" ref="#degen_philipp">Philipp Degen</rs>),
                  der Prälat zu <rs type="place" ref="#maulbronn_kloster">Maulbronn</rs> (damals <rs type="person" ref="#vannius_valentin">Valentin Vannius</rs>),
                  der Prälat zu <rs type="place" ref="#adelberg_kloster">Adelberg</rs> (damals <rs type="person" ref="#binder_christoph">Christoph Binder</rs>),
                  die Stadt <rs type="place" ref="#stuttgart_stadt">Stuttgart</rs>,
                  die Stadt <rs type="place" ref="#tuebingen">Tübingen</rs>,
                  die Stadt <rs type="place" ref="#urach">Urach</rs>,
                  die Stadt <rs type="place" ref="#schorndorf">Schorndorf</rs>,
                  die Stadt <rs type="place" ref="#vaihingen_enz">Vaihingen</rs>,
                  die Stadt <rs type="place" ref="#calw">Calw</rs>.                  
               </p>
            </tei:div>

            <!-- Ende Unterkapitel "2.1. Unterzeichner" -->

            <!-- Beginn Unterkapitel "2.2. Unterhändler" -->

            <tei:div type="section" n="2">
               <head type="sub">Unterhändler</head>
               <p>Der Landtagsabschied wurde zwischen Herzog Christoph und den Landständen ausgehandelt. Einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Vertragsverhandlungen leistete <rs type="person" ref="#brenz_johannes">Johannes Brenz</rs>.
               </p>
            </tei:div>
         </tei:div>

         <!-- Ende Unterkapitel "Unterhändler" -->

         <!-- Ende Kapitel "2. Unterzeichner und Unterhändler" -->

         <!-- Beginn Kapitel "3. Inhalt" -->

         <tei:div type="chapter" n="3">
            <head>Inhalt</head>

            <p>Landschaft und Prälaten übernehmen es, Schulden des <rs type="place" ref="#wuerttemberg_herzogtum">Herzogtums</rs> in Höhe von 1,2 Millionen Gulden zuzüglich Zinsen zu tilgen (Art. 1.1). 
               Der Herzog bestätigt die uneingeschränkte Fortgeltung des Tübinger Vertrags von 1514 und weiterer Abschiede und Vergleiche. Die Freiheiten der Stände sollen ungeschmälert bleiben, eine Einführung neuer Steuern oder Abgaben wird ausgeschlossen (Art. 1.2).
               Die Aufteilung der Abzahlungsleistungen zwischen den Landständen und den Prälaten der Männerklöster, dem Frauenkloster <rs type="place" ref="#nellingen_filder">Nellingen</rs> und dem Kirchenkasten werden detailliert festgelegt, auch die weitere Verwendung überschüssiger Gelder (Art. 1.3) und bestimmte Zahlungsmodalitäten (Art. 28). 
               Es wird ausdrücklich festgehalten, dass aus der Bewilligung der Ablösungsleistungen keine höhere finanzielle Belastung für spätere Fälle abgeleitet werden könne (Art. 1.4). Die Tilgung kann ausgesetzt werden, wenn sich anderweit besondere Finanzbedarfe ergeben, wie die Aussteuer von Prinzessinnen oder militärische Auseinandersetzungen (Art. 7.1-2; 28.3).
               Auf die noch ausstehenden Erstattungen der Stände für Reichshilfen, die der Herzog vorgestreckt hatte, verzichtet er. Im Gegenzug braucht er auch noch ausstehende Restzahlungen aus früheren Ablösungshilfen nicht zu leisten.
               Künftige Reichsveranlagungen sollen von den Ständen erstattet werden, soweit dies vom Reichstag verfügt wird (Art. 1.5; 17). Grenzüberschreitende Erbschaften bleiben weiterhin möglich (Art. 9), weitere Klärungen zum Erbrecht werden angekündigt (Art. 14). Verbesserungen in der Verwaltung werden in Aussicht gestellt, sowohl hinsichtlich des Verhaltens der Beamten (Art. 12; 13; 15; 22) wie im Hinblick auf geordnete Vorratshaltung (Art. 24) und Rechnungslegung (Art. 11; 25). Die kommunalen Rechte und geltenden Ordnungen sollen gesammelt und verzeichnet werden (Art. 25.4).
               Der Herzog gewährt für sich und seine Nachfolger die Bitte der Untertanen, sie bei Confessio Augustana (CA) und Confessio Virtembergica (CV), sowie bei den Apologien zu CA und CV zu belassen und allen Neuerungen in Religionssachen und allen Gruppenbildungen auf der Grundlage abweichender Glaubenslehre oder -praxis (<q>Sekten</q>) zu wehren (Art. 2).
               Die Ausbildung des Pfarrernachwuchses in Schulen an ehemaligen Klöstern und im Evangelischen Stift <rs type="place" ref="#tuebingen">Tübingen</rs> wird geregelt mit Hilfe dauerhafter Stipendien (Art. 5.1-3). Auch für die Erhaltung allgemeiner Schulen soll Sorge getragen werden (Art. 5.4-5), ebenso für eine Ausbildungsstätte für Verwaltungsbeamte in <rs type="place" ref="#tuebingen">Tübingen</rs> (Art. 5.6). Die Errichtung mehrerer Siechenhäuser zur Versorgung pflegebedürftiger Kranker und Alter wird angekündigt (Art. 5.7).
               Das Justizwesen wird in seiner Ordnung bestätigt, mit der juristischen Fakultät der Landesuniversität <rs type="place" ref="#tuebingen">Tübingen</rs> als wichtigem Beratungs- und Entscheidungsgremium für komplexe Fälle (Art. 14; 16; 27). Die Landesordnung soll, wo nötig, erweitert und detaillierter erläutert werden (Art. 16).
               Darüberhinaus wird eine Bauordnung in Aussicht gestellt (Art. 26), und es werden Regelungen zum Forstwesen (Art. 22), zum Jagdwesen (Art. 10), insbesondere zum Umgang mit Wilderern (Art. 29), zur Vieh- und Weidewirtschaft (Art. 20) getroffen. Der Herzog nimmt die Klage der Landschaft über Immobilienerwerb Adliger in den Städten zur Kenntnis (Art. 19).
               Besondere Berücksichtigung finden aufgrund spezifischer Umstände das Kloster <rs type="place" ref="#zwiefalten_kloster">Zwifalten</rs> (Art. 6.1), die Orte <rs type="place" ref="#grosssachsenheim">Groß-</rs> und <rs type="place" ref="#kleinsachsenheim">Kleinsachsenheim</rs> (Art. 6.2), <rs type="place" ref="#sielmingen">Obersielmingen</rs> (Art. 6.3), <rs type="place" ref="#kleingartach">(Klein-)Gartach</rs>, <rs type="place" ref="#niederhofen_schwaigern">Niederhofen</rs> und <rs type="place" ref="#stetten_am_heuchelberg">Stetten am Heuchelberg</rs> (Art. 8).
            </p>
         </tei:div>

         <!-- Ende Kapitel "3. Inhalt" -->
         <!-- Beginn Kapitel "4. Überlieferung" -->

         <tei:div type="chapter" n="4" xml:id="ueberlieferung">
            <head>Überlieferung und Textvorlage</head>
            
            <!-- Beginn Unterkapitel "4.1. Überlieferung *** Religionsfrieden ***" -->
            
            
            <tei:div type="section" n="1">
               <head>Handschriften</head>
               <p>
                        <listBibl>
                     <bibl>
                        <msIdentifier>
                           <settlement>Stuttgart</settlement>
                           <repository>HStAS</repository>
                           <idno>A 37 U 3</idno>
                        </msIdentifier>
                     </bibl>
                     <bibl>
                        <msIdentifier>
                           <settlement>Stuttgart</settlement>
                           <repository>HStAS</repository>
                           <idno>L 1 U 25 = 24 = A 37 Bü 18 Nr. 9</idno>
                        </msIdentifier>
                     </bibl>
               </listBibl>
               </p>
            </tei:div>
            <tei:div type="section" n="2">
               <head>Drucke</head>
               <p>
                        <listBibl>
                     <bibl>Wuͤrtembergische || Landes= || Grund=Verfassung, || besonders || in Rucksicht || auf die || Landstaͤnde || und || deren Verhaͤltniß || gegen die || hoͤchste Landes=Herrschafft || welche sich || auf dieses Herzogthums, von Anno 1482. || an / von denen Roͤmischen Kaysern / und Koͤnigen / Chur= ||
                        Fuͤrsten, Ertz=Hertzogen des Hauses Oesterreich, auch andern gros= || sen Fuͤrsten und Staͤnden des Heil. Roͤmischen Reichs, haupt= || saͤchlich aber von allen Herzogen und Landes=Regenten in Wuͤr= || temberg Selbsten von Zeit zu Zeit respectivè rechtmaͤßig erlangte, || ruhig besessene, Allergnaͤdigste 
                        und Gnaͤdigst corroborirte und || bestaͤttigte, auch feyerlichst auf ewige Zeitten assecurirte Gnaden, || Privilegia, Freyheiten, Rechten und Gerechtigkeiten || ohnumstoͤßlichst gruͤndet, || nach denen Originalien || durch den Druck ans Licht gestellt. || *** || Anno 1765. (VD18 10899855), S. 131-156.</bibl>
                     <bibl>A[ugust] L[udwig] Reyscher (Hg.): Vollständige, historisch und kritisch bearbeitete Sammlung der württembergischen Gesetze. Zweiter Band. Enthaltend die Staats=Grund=Gesetze vom 21. July 1495. bis 31. Dez. 1805, Stuttgart und Tübingen, 1829, S. 121-136.</bibl>
                     <!-- <bibl> *** </bibl>-->
               </listBibl>
                    </p>
            </tei:div>
            <tei:div type="section" n="3">
               <head>Textvorlage</head>
               <p>Die Edition folgt der oben verzeichneten Handschrift 1 aus dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart.</p>
            </tei:div>

            
         <!-- Ende Kapitel "4. Überlieferung" -->

         <!-- Beginn Kapitel "5. Literaturhinweise" -->
         
        <!-- Martin Brecht, Hermann Ehmer: Südwestdeutsche Reformationsgeschichte. Zur Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg 1534, Stuttgart 1984, bes. S. 339-343 (Lit. S. 343).
           
               Blätter für Württembergische Kirchengeschichte, Jg. 100 (2000) Darin Wolgast zu Bauernkrieg u. Widerstandsrecht, mit Fußnote am Schluss zu Landtagsabschied 1565, sieht Vorbehalt durch Verweis auf Untertanenpflicht entwertet; 
               
               und Jg. 70 (1970) darin Brecht zur Beschickung des Trienter Konzils durch die Protestanten etc.
               
               jeweils Schwerpunkt Johannes Brenz.
        
        Matthias Langensteiner: Für Land und Luthertum. Die Politik Herzog Christophs von Württemberg (1550–1568), Köln/Weimar/Wien 2008 (Stuttgarter Historische Forschungen 7).
        Landesmuseum Württemberg (Hrsg.): Christoph 1515–1568. Ein Renaissancefürst im Zeitalter der Reformation. Süddeutsche Verlags-Gesellschaft, Ulm 2015, ISBN 978-3-88294-471-6 (Katalog zur Ausstellung im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, 2015–2016).-->

         <tei:div type="chapter" n="5">
            <head>Literatur</head>
            
            <tei:div type="section" n="1">
               <head>Edition</head>
               <p>
                            <listBibl>
                     <bibl>Es liegt keine moderne kritische Edition vor.</bibl>
                  </listBibl>
                        </p>
               
            </tei:div>
            <tei:div type="section" n="2">
               <head>Forschungsliteratur (Auswahl)</head>
               <p>
                            <listBibl style="list">
                  <bibl>
                                    <ref type="bibl" subtype="long" target="#brecht_ehmer_suedwestdeutsche_reformationsgeschichte">
                                        <surname type="author">Brecht, Ehmer</surname>, Südwestdeutsche Reformationsgeschichte</ref>
                                </bibl>
                  <bibl>
                                    <ref type="bibl" subtype="long" target="#schaefer_heil">
                                        <surname type="author">Schäfer</surname>, Heil der Kirche</ref>
                                </bibl>
                  <bibl>
                                    <ref type="bibl" subtype="long" target="#ehmer_staat">
                                        <surname type="author">Ehmer</surname>, Staat</ref>
                                </bibl>
                  </listBibl>
               </p>
            </tei:div>
         </tei:div>

         <!-- Ende Kapitel "5. Literatur" -->

         </tei:div>
      </body>
      <back>
         <listBibl style="list">
            
            <bibl xml:id="brecht_trient">
               <abbr>
                        <surname type="author">Brecht</surname>, Trient</abbr>
               <author>
                  <surname>Brecht</surname>
                  <forename>Martin</forename>
               </author>
               <title>Abgrenzung oder Verständigung. Was wollten die Protestanten in Trient?</title>
               <bibl>
                  <title>Blätter für württembergische Kirchengeschichte 70 [Johannes Brenz 1499-1570. Beiträge zu seinem Leben und Wirken]</title>
                  <date>(1970)</date>
               </bibl>
               <biblScope>S. 148-175</biblScope>
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="brecht_ehmer_confessio_virtembergica">
               <abbr>
                        <surname type="editor">Brecht, Ehmer</surname>, Confessio Virtembergica</abbr>
               <tei:editor>
                  <surname>Brecht</surname>
                  <forename>Martin</forename>
               </tei:editor>
               <tei:editor>
                  <surname>Ehmer</surname>
                  <forename>Hermann</forename>
               </tei:editor>
               <title>Confessio Virtembergica. Das Württembergische Bekenntnis [von] 1552.
                  [Die Originaltexte lateinisch und deutsch. Mit Erläuterungen.]</title>
               <tei:pubPlace>Holzgerlingen</tei:pubPlace>
               <date>1999</date>.
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="brecht_ehmer_suedwestdeutsche_reformationsgeschichte">
               <abbr>
                        <surname type="author">Brecht, Ehmer</surname>, Südwestdeutsche Reformationsgeschichte</abbr>
               <author>
                  <surname>Brecht</surname>
                  <forename>Martin</forename>
               </author>
               <author>
                  <surname>Ehmer</surname>
                  <forename>Hermann</forename>
               </author>
               <title>Südwestdeutsche Reformationsgeschichte.
                  Zur Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg 1534</title>
               <tei:pubPlace>Stuttgart</tei:pubPlace>
               <date>1984</date>.
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="katalog_christoph">
               <abbr>Katalog Christoph</abbr>
               <title>CHRISTOPH 1515-1568. Ein Renaissancefürst im Zeitalter der Reformation. [Begleitband zur Ausstellung] im Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss, Stuttgart, 24. Oktober 2015 bis 3. April 2016</title>
                  <tei:pubPlace>Stuttgart / Ulm</tei:pubPlace>
                  <date>2015</date>
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="ehmer_staat">
               <abbr>
                        <surname type="author">Ehmer</surname>, Staat</abbr>
               <author>
                  <surname>Ehmer</surname>
                  <forename>Hermann</forename>
               </author>
               <title>Der christliche Staat</title>
               <bibl>
                  <tei:editor>
                     <surname>Fehle</surname>
                     <forename>Isabella</forename>
                  </tei:editor>
                  <title>alleyn zwey ding: glauben und lieben. Johannes Brenz 1499-1570. Prediger - Reformator - Politiker. Ausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum, Schwäbisch Hall, und im Württembergischen Landesmuseum, Stuttgart, 28. Februar bis 24. Mai 1999, 11. Juni bis 3. Oktober 1999</title>
                  <tei:pubPlace>Schwäbisch Hall</tei:pubPlace>
                  <date>1999</date>
                  <series>Kataloge des Hällisch-Fränkischen Museums Schwäbisch Hall</series>
               </bibl>
               <biblScope>S. 142-159.</biblScope>
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="fricker_verfassung">
               <abbr>
                        <surname type="author">Fricker</surname>, Verfassung</abbr>
               <author>
                  <surname>Fricker</surname>
                  <forename>C[arl Victor]</forename>
               </author>
               <title>Die Entstehung der württembergischen Verfassung von 1819</title>
               <bibl>
                  <title>Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft 18</title>
                  <date>(1862)</date>
               </bibl>
               <biblScope>S. 139-193</biblScope>
            </bibl>
             
            <bibl xml:id="fricker_gessler_verfassung_wuerttembergs">
               <abbr>
                        <surname type="author">Fricker, Geßler</surname>, Verfassung Württemberg's</abbr>
               <author>
                  <surname>Fricker</surname>
                  <forename>Carl Victor</forename>
               </author>
               <author>
                  <surname>Geßler</surname>
                  <forename>Theodor</forename>
                  <nameLink>von</nameLink>
               </author>
               <title>Geschichte der Verfassung Württemberg's.
                  Zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Verfassungs=Urkunde vom 25. September 1819. Im Auftrag des ständischen Ausschusses verfaßt</title>
               <tei:pubPlace>Stuttgart</tei:pubPlace>
               <date>1869</date>.
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="gottschick_metzger_württembergisches_glaubensbekenntnis">
               <abbr>
                        <surname type="editor">Gottschick, Metzger</surname>, Württembergisches Glaubensbekenntnis</abbr>
               <tei:editor>
                  <surname>Gottschick</surname>
                  <forename>Konrad</forename>
               </tei:editor>
               <tei:editor>
                  <surname>Metzger</surname>
                  <forename>Wolfgang</forename>
               </tei:editor>
               <title>Württembergisches Glaubensbekenntnis (CONFESSIO VIRTEMBERGICA) 1551. Im Auftrag des Württ. Evang. Oberkirchenrats aus dem lateinischen Urtext übertragen und für die Gemeinde herausgegeben</title>
               <tei:pubPlace>Stuttgart</tei:pubPlace>
               <date>1952</date>.
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="schaefer_heil">
               <abbr>
                        <surname type="author">Schäfer</surname>, Heil der Kirche</abbr>
               <author>
                  <surname>Schäfer</surname>
                  <forename>Gerhard</forename>
               </author>
               <title>Zu erbauen und zu erhalten das rechte Heil der Kirche.
                  Eine Geschichte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg</title>
               <tei:pubPlace>Stuttgart</tei:pubPlace>
               <date>1984</date>.
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="tuebinger_vertrag_1514">
               <abbr>
                        <surname type="editor">Adriani, Schmauder</surname>, Tübinger Vertrag 1514</abbr>
               <tei:editor>
                  <surname>Adriani</surname>
                  <forename>Götz</forename>
               </tei:editor>
               <tei:editor>
                  <surname>Schmauder</surname>
                  <forename>Andreas</forename>
               </tei:editor>
               <title>1514. Macht - Gewalt - Freiheit.
                  Der Vertrag zu Tübingen in Zeiten des Umbruchs.
                  Kunsthalle Tübingen 8. März bis 31. August 2014</title>
               <tei:pubPlace>Tübingen</tei:pubPlace>
               <date>2014</date>.
            </bibl>
            
            <bibl xml:id="wolgast_stellung">
               <abbr>
                        <surname type="author">Wolgast</surname>, Stellung</abbr>
               <author>
                  <surname>Wolgast</surname>
                  <forename>Eike</forename>
               </author>
               <title>Die Stellung von Johannes Brenz zu Bauernkrieg und Widerstandsrecht</title>
               <bibl>
                  <title>Blätter für württembergische Kirchengeschichte 100 [Referate des Brenz-Symposions 1999 in Weil der Stadt u. a.]</title>
                  <date>(2000)</date>
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               <biblScope>S. 297-326</biblScope>
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