Vertrag von Kaaden ( 29. Juni 1534) - HStASt A 107 U 4
1Wir, , von gots gnaden, der hayligen Römischen kirchen des Titels
2Sancti petri ad vincula priester, Cardinal Legatus natus, Ertzbischof
3zu und , Primas des
4 durch Germanien, Ertzcantzler1 und Churfurst, Administra-
5tor2 des Stiffts zu , Marggraven zu , zu
6, , der Cassuben3 und wenden4 hertzog, Burggraff zu
7 und Furst zu , und von denselben gnaden
8Wir, , Hertzog zu , Landtgraf in und Marg-
9graf zu , bekennen und thun kundt
10an diesem Offnen brieve5: Nachdem und als zcwuschen dem
11aller durchleuchtigen, Grosmechtigen, hochgebornen Fursten und hern,
12hern , Römischem kunige, zu allen zeitten mehrer6 des ,
13in Germanien, zu , , und etc.
14kunig, Infant7 in , Ertzhertzogen zu , hertzogen
15zu , etc., Graven zu et., unserm gnedigsten
16hern an einem, und dem hochgepornen fursten, hern
17, hertzogen zu , des Ertz-
18marschalh8, Churfursten, Landtgraven in und Marg-
19graven zu , unserm freuntlichem, lieben hern Ohmen,
20Brudern und vedter,9 sampt derselben mitt vorwantten anders tayls,
21sich ein zeit her ettlich zwyspaldt und geprechen10, von wegen irer
22 bescheene wahl zu Romischem ku-
23nige, dawider bemeltter11 , sampt seinen mit-
24vorwantten, aus ettlichen, vorgewantten ursachen, protestirt,12 auch
25von wegen ettlicher disputationa und irrung, so des
26halber, jungst zu in der Religion sache behandelt
27und durch die auffgericht13, ettlicher
28am kayserlichen Camergericht vorgenohmenen proceß halben vor-
29gefallen, unentschayden gehaltten. Das wir
30 zu nutz, Ehren und wolfarth, auch allen
31Stenden desselben zu ruhe, fride und aynigkeitt, auf gnedig zulassung
32hochgemeltter14 , auch mit bewilligung g[e]nants
33unsers Ohmen, Brudern und vedtern, des ,
34von wegen sein und seiner mit vorwantten, uns gantzer getrawer
35wolmaynunge in solchen geprechen guetlich zu handeln, eingelassen
36haben. Und so dann eben zur selben zeit, als wir in
37solcher handlung gestanden, sich zugetragen, das die hochgebornen
38Fursten, her , hertzog zu und Grave zu etc.,
39und her , Landtgraf zu , Graf zu ,
40zu , und etc., unsere lieben Ohmen und Shon15,
41understanden, das zu ubertzyhen16, eyn-
42zunehmen und zu erobern. Wie sie auch dasselbig sampt seinen vest-
43ungen gantz erobert und eyngenomen hetten, auch in weytherm
44furnehmen gestanden, daraus, wo solchem nit vorkommen17, mergk-
45licher unrath18 im hette ervolgen mögen, des wir
46dann die , die herwiderumb auch in tapfferer19
47krigsrustung, solchem vornehmen mit der that20 zu begegenen und das-
48selbige abgedrungen21 wider zu erlangen,
49gestanden ist, aus schuldiger pflicht underthenigklich erinnert und gebe-
50thern, das ire in ansehung itziger leufft und
51beschwerungen, uns gnedigklich nachlassen wolt, das wir neben
52den vorangetzaygten irrungen, inn derselben wirttembergischen
53sach auch mittel und wege suchen mochten, dardurch solch furnehmen
54gestillet22, die krigsrustung von bayden taylen abgethan23 und ferrer24
55beschwerung25, so dem und deutzscher nation daraus ervolgen mocht,
56vorkommen werden, das dann irer , auf solche
57unsere underthenige bitt, als ein gnediger, guethiger Romischer Kunigk,
58der gemeynes Ehre und wolfart vor derselben
59aygen nutz zu gemuth gefurth, uns gnedigklich nachgehangen, auch
60obbemeltter unser her Oheim, Bruder und vedter, der
61, an stadt und in vollmacht itztbemeltter bayder fursten,
62 und
63, solche guetliche underhandlunge gewilligt und eyngereuhmet
64hat, und wir uns derselben im nahmen Gottes underfangen.
65Und so wir dann deshalb ettliche tage erstlich auff Sanct Annaperge,
66auch volgende zum , im , dahin wir uns,
67den sachen zu guth, zu der aygener
68person gefugt, Auch den vormacht26, das
69 zu letzt aygener person auch dahin kommen, in embsiger,
70vleyssiger handlunge gestanden, Habenn wir
71beschlieslich durch vorleyhung des allemechtigen und mit aller tayl
72volwort und vorwilligung alle solche zwyspalt, irrungen und geprechen
73auff nachvolgende maynunge beredt, gesuhnet und endtlich zu
74grunde beygelegt und vortragen, wie hernach volgt und gemeldt
75wirdet:
[Art. 1] Erstlich, das der
76, zu jungst auffgericht27 und wie obgemelt, durch
77 allen Stenden zu haltten gebothen ist.
78in allewege soll gehaltten und demselben nachgelebt werden.
79Und nachdem ein mysverstandt28 darinnen vor-
80gevallen, So hat die gnedigklich gewilligt,
81das ire von wegen der beschaffen
82wolle, das mit den processen am kayserlichen cammergericht, zu
83erhalttung solchs , wider die, so darinnen benent sein,
84stiller gestanden, auch alle die bisher vorgenohmene process wirgk-
85lich abgeschafft werden, alles nach lauth desselbigen auffgerichten
86. Doch so sollen in allewege die Sacramentirer, wider-
87teuffisch Secten, auch andere naue29, unchristliche Secten, die hinforthan
88erregt30 werden mochten, hirinnen aussgeschlossen sein und durch
89die , Churfursten, fursten und Stende eintrechtigklich
90gewehret und in iren landen nit geduldet noch gelieden31 werden.
91Und sall sunst hiruber kein tayl den andern
92in der Religion sachen ubertzyhen32, vorgeweltigen33, noch des seinen
93entsetzen34, bey einer ansehenlichen35 peen, nemlich: Wa eyn Chur-
94furst dawider handelt, bey verlust seiner Chur und eyn ander
95Furst, Standt ader Stadt, bey vorlust seiner Regalia, privilegia
[Blatt: Bl. 2r ]
96und Lehen. Und sall solcher Fridebrecher daruber mit der that36 in
97die Acht gefallen sein37. Und in allen andern
98sachen sall ihme ein yeder tayl gegen dem andern an gleich und
99Recht38 benugen39 lassen und keiner den andern, sonder40 vorgehendt
100ordentlich, rechtlich erkenttnus, des seinen entsetzen, uberzyhen
101noch vorgewelttigen; auch den ihenigen, so sich des understehen
102mochten, sie weren in diesem friden begriffen ader nit, und
103wurde von ihnen in waserley41 schein solchs erdacht, mit der that42
104understanden, mit gar nichts hulff noch furderunge43 darezuthun44,
105wider45 mit leuthen, gelde noch practiciren46, oder wie sunst solch tetlich
106furnehmen mocht desem frieden zuentgegen gesterckt werden, alles
107bey obangetzaygtter peen, doch das der vordechtige des vordachts zu-
108vorn, vormuge des auffgerichten uberwunden
109werde, welchs alles die von wegen der
110 und vor sich selbst gnedigklich gewilligtt und hirmit
111confirmirt hat, dawider nit zu thuen noch zu vorhengen47.
112[Art. 2]Ferrer ist auch beredt und vortragen, das der Churfurst
113zu Sachssen sampt seinen mittvorwantten, den Romischen Kunigk,
114wie andere Churfursten, fursten und Stende, fur ein Romischen
115Kunig erkennen, seiner maiestat den titel geben und von der d[i]spu-
116tation der wahl sachen abstehen und die fallen lassen sall und will,
117wie auch sein lieb vor sich und seine mittvorwantten davon gegen-
118werttigk abgestanden und darauf den Romischen Kunigk erkant
119hat.
[Art. 3]Dargegen hat die koe. Mat. bewilligt,
120bey der Kay. Mat. zu erlangen und ires tayls bey den Churfursten
121hier zcwuschen und Ostern nehstkommendt zu sollicitiren, das dieße
122nachvolgende artickel bewilligt und darauff durch die Kay. Mat.
123bey der Gulden bullen confirmirt und dieselbig damit ercleret und
124verbrievet werde: Nemlich, das kunfftigklich
125wann bey leben eins Romischen Kaysers oder Kunigs ein Romischer
126Kunigk sall erwehlt werden, alle Churfursten zuvorn zusampne
127beschayden werden, davon zu werden, ob ursach gnugsam vorhanden
128und dem Reich vortreglich sey, ein Romischen Kunig bey leben eins
129Kaysers ader kunigs zu erwehlen. Und wann sie sich des ver-
130aynigt, das alsdann und nit ehr, die Churfursten, vormoge und
131Inhalt der gulden Bullen, sollen zu konigklicher wahl erfordert
132und zur wahl geschritten und derselben Bullen unverrugklich in
133allem nachgegangen werden. Und wa die wahl in dem fall
134anders furgenohmen und ergieng, das daselbig nichtigk und
135durch ein decretum irritans der Kay. Mat. Cassirt sein soll.
136Und hirmit sall aller unwill und verdrieß,
137so uf allen taylen kegeneynander gefast, auffgehaben und durch
138die Kaye. und Koe. Maiestaten in ungnaden ader sunst durch andere
139stende bayderseits in unguthem nit geanth, nach geefert werden.
140[Art. 4]Im fall aber, das solche obgemeltte artickel zcwuschen angetzeigter
141zeitt durch den merhern tayl der Churfursten nit bewilligt nach
142beslossen, und die kaye. Mat. zugelassen, bestettigt und vorbrivet
143worden, So soll dann der Churfurst zu Sachssen sampt seinen
144mittverwantten des kunigs, der wahl und Titels halber wider-
145umb frey stehen und ihm sein Recht vorbehaltten sein, sich auch
146die koe. Mat. in keinerley weyße, in nach auserhalb Rechtens,
147des falles darmitt zu behelffen haben. Und dannoch soll ein
148tayl gegen dem andern sich an gleich und Recht benugen lassen.
149[Art. 5]Wie es auch der personen halber, die zu Ro-
150mischen Kunigen zu erwehlen und nit dutzscher sprach ader ge-
151zcungs weren, auch ob zcwene, drey ader mehr Romische
152Kunige aus einem hauße nacheynander mogen erwehlet werden,
153darumb sollen sich die Churfursten, inwendigk vorbestimptter
154zeitt vorgleichen und voraynigen, und solchs in irer vorayni-
155gung verordent werden.
[Art. 6]So sollen auch
156dem Churfursten zu Sachssen und seiner Lieb unmundigen Bruder
157in vorberurtter zceitt ire lehen und Regalia gelyhen werdenn.
158[Art. 7]Es wollen auch die Koe. Mat. sich bey der
159Romischen Kayserlichen Maiestat zum hohsten und treulichsten be-
160vleyssigen, das der vortragk des Churfursten zu Sachssen mit
161Gulich und Clef durch ire Kaye. Mat. bestettigt werde.
162[Art. 8]Dann sovil die bekrigung und eynnehm-
163ung des Furstenthumbs Wirttembergk belangt, ist beredt
164und vortragen: Nachdem die koe. Mat. hievor von der Kay.
165Mat mit dem Furstenthumb Wirttembergk gnedigklich unnd
166freuntlich belehendt sein, das die Roe. Koe. Mat. den Titel herzog
167von Wirttenbergk behaltte und hinfur bemelt furstenthumb
168Wirttembergk des hauses Osterreich affterlehen sey, und hertzog
169Ulrich dasselbig von Roe. Koe. Mat. als regirendem ertzherzog zu Oster-
170reich zu Lehen empfahe und ire Koe. Mat. ader derselben erben,
171Ertzhertzogen zu Osterreich, nach abgange gedachts hertzog Ulrichs
172vorpunden sein, angetzaygt furstenthumb seinen manlichen, ehelichen
173leibes erben zu Lehen zu verleyhen, und sie, die hertzogen von
174Wirttembergk, so offt sich der fall begibt, solchs von dem hauße Oster-
175reich also zu affterlehen zu empfahen schuldigk sein, doch dem hayligen
176reich, sein obirkeit und gerechtigkeit, auch dem von Wirttembergk
177sein standt und Stymm im Reich, wie er solchs zuvor gehabt,
178an bemelttem hertzogthumb in alleweg vorbehaltten, der gestalt,
179das sich die koe. Mat. vor sich und ire manliche erben und nach-
180kommen, Ertzhertzogen zu Osterreich, kegen auffrichtung dieses vor-
181trags, verschrieben hat, so offt von irer Koe. Mat. ader derselben
182Lehens erben das Furstenthumb Wirttembergk zu Affterlehen
183vorlyhen wirdett ader, so sich der fall obbemeltter massen begibet,
[Blatt: Bl. 3r ]
184das berurt Furstenthumb Wirttembergk an das haus Osterreich
185fellet und von Koe. Mat. als Ertzhertzogen zu Osterreich, ader der-
186selben lehens erben, vom Reich zu lehen empfangen wirdt und selbst
187besitzen, das durch dieselbig belehnung dem Reich nichts benohmen,
188sondern dem Reich von angezaygttem furstenthumb alle dienst-
189barkeit, gehorsam, Steuer und anders, wie von alters herkomen
190ist, zustehen und verfolgen soll.
[Art. 9]Das auch
191hertzog Ulrich die Roe. koe. Mat. vor Romischen Kunig erkennen,
192ehren und haltten und sich, wie andere des Reichs Stende, in solchem
193gehorsamlich ertzaygen und wider die koe. Mat. mit nymande
194vorbinden soll nach will.
[Art. 10] sampt
195dem sollen und wollen auch das, so in itziger erobe-
196rung des Lands von Stedten, flecken,48 heusern49 und anderm, das
197zu dem lande nit gehorth, sonder andern fursten, prelaten, Graven,
198denen vom Adel und andern zustendigk, eingenohmen ist, wider-
199umb abtrethen und einem yedern das seine, des er also entwehrt50 ist,
200widerumb eynantwortten51, zustellen und solche guether berwigklich
201besetzen lassen, auch einen yeden, in- und auserhalb des ,
202zusampt den gefursten Ebten52, die im lande gesessen53 und ire sonderliche
203Regalia54 haben und zum nit gehoren, mit sampt iren
204leuthen und underthanen bey irem glauben und Religion pleiben,
205ihnen auch ire Rent und zcynse volgen und darane ungehindert
206lassen, nach lauth und inhalt der kaÿserliche reichs Abschiede.
207[Art. 11]Es sollen auch hohs- und nyderstands, sie seyn
208gaystlich ader weltlich, nyemande aussgenohmen, welche sich
209gehorsam gehaltten, aus dem lande gewichen ader daraus vortrieben
210sein und denen auch das ire genohmen ist, durch
211widerumb mit friden und Glayth55 eingelassen, inen ire entwehrte56
212gueter widerunb zugestalt und ruigklich dabey gelassen werden,
213und welcher im lande nit wohnen ader den dar-
214innen nit leiden wolt, das denselben sall vergont und zugelassen sein,
215seine guether zu vorkeuffen und sich an andere orthe seins gefallens
216nyder zu thuen57.
[Art. 12]Desgleichen sollen auch den
217gaystlichen und weltlichen, die in dem Furstenthumb Wirttenbergk
218nit gesessen sein und doch Rent, zcynse und gult darinnen haben,
219solche ire zcynse, Rentt und Guldt unvorhindert vorfolgen und ge-
220raycht und inen uber die ungehorsamen ader nit halttenden
221gepurlich vorholffen werden, doch so ferren von denselben ortten den
222wirttembergischen ire Rent und Zcynsse auch nit gehemmt werden,
223sunder in gleichnus volgen.
[Art. 13]Verrer so sal und
224wil auch hertzog Ulrich, obgedacht, und seine Erben die Roe. Koe. Mat.
225des ausstehenden Rests unnd anderer anforderunge von wegen des
226obbestimpten wirttembergischen Furstenthumbs gegen den Stenden
227des Bunds zu Schwaben, desgleichen kegen hertzog Christoff und Graf
228Georgen von Wirttembergk, durch diesen vertrag irer pension und an-
229forderunge entheben schuldlos halten und frey machen
230auch irer maiestat ir aygen und gelyhen geschutz, mit seiner zugehorung,
231so in jungster ubergebung des Schloss Aspergk uf demselben Sloss pliben
232und wie es vorhanden gewist ist, daselbst widerumb zustellen und volgen
233lassen.
[Art. 14]Item, was sunst vorlyhen schulde uf dem land
234Wirttemberg sein, dieselbige sollen an alles ansuchen, so an Koe. Mat. ge-
235scheen mochte, durch hertzog Ulrich und seine erben betzalt und vorgungt
236ader zu friden gestalt werden. Was aber solcher schuldt, auser-
237halb Kaye. Mat. schuldt, durch die Koe. Mat. darauf in irem aygen
238nutz und nit des landes nottorfft vorschrieben weren, die sich uber
239zcwentzigk tausent gulden hauptsuma erstreckten, die sall gnanter
240hertzog Ulrich zu betzalen nit vorpflicht sein. Sein lieb sall auch
241und will nyemand seiner zuhabenden pfandtschafft ader schuldt vor-
242schreybunge ane vorgehendt Rechtlich erkenttnus entsetzen, doch dem
243artickel, so obstehet anfahende: »Es sollen auch hohes und nyder
244stands etc.« unvorgreifflich. Ob aber yemands pension ader dienstgeldt
245aus gnaden durch Koe. Mat. vorschrieben werden, die hertzog Ulrichen vor
246diener nit leidelichen, den mag er solche pension auffkundigen.
247[Art. 15]Und nachdem auch im land zu Wirttemberg
248ettliche herschafften, Stuck und guether sein, die von der Chron zu
249Beheim zu lehen gehen, dieselben sall und will hertzog Ulrich von
250itziger Roe. Koe. Mat. als regirendem Kunig zu Beheim empfahen
251und solchs soll hinfùr auch von seinen lehens erben ordentlich, wie
252sich gepurth gescheen.
[Art. 16]Item, es sol auch paltzgraf
253Phillips seins zusagens und andere der Koe. Mat. Rethe und diener irer
254pflicht und gelubd, hertzog Ulrich und dem Landtgraven in ubergebung
255hohen Aspergs gethan, ane entgeldt ledigk sein, auch dasselbig, was sich
256irent halben vorlouffen, herwiderumb nit geefert nach geanth werden.
257[Art. 17]Und so dan der Churfurst zu Sachssen, obgemelt,
258an stadt und in vollmacht hertzog Ulrich von Wirttembergk und des
259Landtgraven zu Hessen alle dieße obbeschribene artickel gegenwerttigk-
260lich belibet und gewilligt, auch zugesagt hat, das hertzog Ulrich alle
261dieselben ires inhalts vor sich und seine erben zu verfolgen und zu haltten
262mit briven und Sigiln furderlichst versichern und sich vorschreiben soll,
263das auch gemeltte bayde fursten, Wirttembergk und Hessen, ir krigsvolgk
264ane weyther zugriff und vergewaltigung Kay. und Koe. Mat., auch
265der andern Stende des Reichs, zertrennen und abtzihen lassen sollen, dar-
266gegen so haben wir, als die underhendler, die Roe. Koe. Mat. undertheniglich
267erbethen, das ire Maiestat gewilligt hat, umb solcher unser furbit wil-
268len, das ihme hertzog Ulrichen, seinem Sone und iren ehelichen, mannlichen
269leibes erben gegen den Conditionen, wie obstahet, das landt Wirttenbergk
270hiemit, unverhindert irer Maiestat noch derselben erben, berwigklich
271vervolgen und pleiben soll. Das auch ire Roe. Ko. Mat.
272ihm und dem Landtgraven auf ir ansuchen, das sie zcwuschen dietz und
273Invocavit nehstkunfftigk bey irer Mat. desta zeitlicher thuen sollen,
274einen namhafftigen tag an gelegene malstadt ansetzen wollen und inen
275alsdann, auf ir underthenig bitten und selbst ansuchen, in aygener
276person ader durch ire anseheliche, stadtliche botschafft mit billichem
277underthenigem fusfallen vorgangene handlung gnedigklich vortzeihen
[Blatt: Bl. 4r ]
278und diesen auffgerichten friden weither damit bekrefftigen, dagegen sich ire
279bayde Libden hinfuro gehorsamlich haltten, auch sich nach die iren wider
280Kaye. und Koe. Mat. und die Stende des Reichs zu thetlichem furnehmen
281ader angriff nit geprauchen nach vormogen lassen. Alsdan
282sall auch hertzog Ulrich auff denselben tagk den Lehnen am lande
283Wirttembergk, wie oben gemelt, aygener person, wie gepurlich, volge
284thun und die von der Koe. Mat. empfahen und damit belyhen werden.
285[Art. 18]So will auch seine Koe. Mat. die Kaye. Mat. mit vleisse
286erbitten, das sein Maiestat gleicher gestalt angetzaygtten bayden fursten,
287Wirttembergk und Hessen, vorgangene handlung auch gnedigklich vortzeihen
288und diesen vertragk bestettige. Und wan ire kaye. Mat. ins Reich
289deutzscher nation kommet, dann sollen und wollen dagegen hertzog Ulrich
290und der Landtgraff irer Maiestat einen underthenigen fußfal ayge
291ner person thun und vorgangene handlunge irer Mat. auch abbitten.
292[Art. 19]Es sollen auch hiemitt alle die, so bayden taylen in dießer
293vehde gedienet, furschube ader furderung gethan, aus sorgen gelassen, auch
294die in dieser krigshandlung nach gefangen ader bestrickt, auf ein gewon-
295lich gelubd und zusag die gefencknus nit zu efern frey und ledigk gegeben
296und derhalb wider an irem leib nach guth beschedigt, gestrafft nach beschwert
297werden, auch durch diesen vortrag aller krigskosten, so bayden taylen auf
298erlauffen, hirmit gentzlich auffgehebt sein und kein tayl gegen dem an-
299dern derhalben aynige anforderunge suchen.
[Art. 20]Alle dieße
300obbeschriebene artickel, wie die mit iren anhengen von wortte zu wortte
301vormeldet sein, hat die Koe. Mat. auf solch unsere handlunge und under-
302thenige bitt gnedigklich, auch der Churfurst zu Sachssen vor sich und seine
303mittvorwantten in der Religion und wahlsachen, auch von wegen und
304in vollermacht der vilgemelter bayder fursten, Wirttembergk und Hessen,
305freuntlich und wolbedechtlich bewilligt, angenohmen und zugesagt, dem
306allem und yedem vor sich selbst, ire vorwantten und principal unvorbruch-
307lichen nach zukommen und zu geleben.
[Art. 21]Und wir,
308Ferdinand, von gots gnaden Romischer Kunig, zu allen zeytten mehrer des
309Reichs in Germanien, zu Hungarn und Beheim etc. Kunig, Infant in His-
310panien, Ertzhertzog zu Osterreich, hertzog zu Burgundi und Wirttenbergk etc.
311und Graf zu Thyrol etc., bekennen vor uns unsere nach-
312kommen und erben, das diese vortracht mit unßerer gnedigen nachlassungen,
313wissen, willen und volwort durch obbemelte hendler auffgericht und
314voltzogen ist, welche unsere bewilligung, wir auch hirmit dartzu geben.
315Gereden auch und vorsprechen bey unsern konigklichen waren wortten,
316demselben unvorbruchlichen nachzukomen und zu geleben. Confirmiren
317auch und bestettegen [sic] hiemit alles das jhenige, das uns darinne zu con-
318firmiren hiroben auffgelegt ist.
[Art. 22]Desselbigen
319gleichen bekennen auch von gots gnaden wir, Johans Friderich, hertzog
320zu Sachssen, des hay. Ro. Reichs Ertzmarschalh und Churfurst, Landt-
321graf in doringen und Marggraf in Meyssen, und thuen kunt
322hiemit vor uns, alle unsere mitvorwantten in der Religion und der
323wahlsachen, auch in sonderlicher volmacht hertzog Ulrichs von Wirt-
324tembergs und Landtgraf Phillips zu Hessen etc., das wir alle diße
325obbeschriebene artickel mit iren anhengen vor uns selbst und dieselben
326unsere mitvorwandten und volmechtigern bewilligt, belibt und ange-
327nohmen, auch den Romischen Kunig alsbaldt daruf vor uns und
328die mit beschribenen, der sachen verwantten, erkant haben, inmassen
329wir denselben hiemit vor Romischen Kunig mit der beschaydenheit,
330wie der vorbemelte arttickel sich anfahend: "Und im fall aber etc."
331inheldt und vormagk, erkennen und ehren. Gereden auch und
332geleben bey unsern furstlichen trauen und waren wortten, allen den-
333selben artickeln, wie die hiroben vortragen sein, unvorbruchliche volge
334zu thuen, auch darane zu ßein, das dem also durch alle obberurtten
335sachen mitt verwantten unvorbruchlich vorvolgt und gelebt sol werd.
336[Art. 23]Und nachdem diese nachgeschrieben artickel durch
337uns, die hendeler, in dieser sachen auch vorgeschlagen und in handlunge
338gewest sein, nemlich: damitt das krigsfolck, so Wirttembergk
339und Hessen itzo beyeynander haben, sovil bas getrent wurde, das bayde
340ire Libden der Koe. Mat. einen ansehenlichen Reuther denst thun
341soltten, der gestalt, das sie in Irer Maiestat nahmen Funffhundert
342geruster pferde und drey tausent guther knecht mit nottorfftigem ge-
343schutz itzo alsbaldt vor Monster schicken, dieselbige Stadt in nahmen
344und auf bevelh der Koe. Mat. dem Bischove erobern helffen und
345das dieselben Reuther und knecht der Koe. Mat. vorwant sein und sich
346derselben bevelhs haltten sollen. Und ob es die nottorfft vor Monster
347erfordern wurde, also das die Stadt vor der zceit nit erobert, uf drey
348Monat lang auf derselben bayder fursten kosten und darlegen vorsol-
349det und unterhalten wurden.
[Art. 24]Item, nachdem
350auch die Koe. Mat. an dem Schlosse Hohen Tweil, im Hegau gelegen, vor-
351mals tayl hat, das gegen der vilfalttigen irer Maiestat gnedigen nach-
352lassungen, so sie dem hertzogen von Wirttembergk in dieser handlunge
353gethan, die uberigen hertzog Ulrichs tayl darane mit aller zugehe-
354rungen erblich vorfolgen und zugestalt sollt werden.
355[Art. 25]Item, das hertzog Ulrichs gemahl ire vorweysunge, so sie bisher im
356lande gehabt hat, ewigs pleiben und vorfolgen soll. Das
357auch die gemeine Landtschafft in Wirttembergk die abbeschribene,
358vertragene Artickel, welche hertzog Ulrich vor sich und seine Erben
359vorschreyben und vorsichern soll, vor sich, sovil sie zu haltten betrifft, zu
360haltten und denen zu geleben, neben hertzog Ulrichen, versicherung thun
361sollen.
[Art. 26]Item, nachdem auch der Churfurst zu Sachssen ein
362artickel, betreffende Graf Georgen von Wirttembergk, erinnert, der gestalt,
363das derselbe mit zu den wirttembergischen Lehen solt gelassen werden, des
364sich doch die Koe. Mat. itzo alhie nit hat entschliessen konnen von des wegen,
365das ire Mat. die brieve uber die erhebung des lands Wirttembergk zu
366einem Furstenthumb, desgleichen die belehnung hertzog Ulrichs und die
367vortracht Koe. Mat. mit Graf Georgen von Wirttmbergk, hievor uff-
368gericht, nit bey handen gehabt.
[Art. 27]Desgleichen, das bemel-
369ter Churfurst zu Sachssen auch angezaigt, das Wirttembergk unnd
370Hessen her Diethrich Speht und her George von Stauffen in dieser vor-
371tracht wollen aussgezogen haben, des doch die Koe. Mat., dieweil die gantze
372Vehde soll vortragen und sunst zcwuschen aller der sachen vorwantten
[Blatt: Bl. 5r ]
373gesuhnet sein und ire Maiestat darinnen nyemandt außgetzogen, nit
374fur billich hat bedencken mogen.
[Art. 28]Und aber dessmalß
375von solchen itzt ertzeltten artickeln, außerhalb bemelter bayder fursten,
376Wirttembergk und Hessen, gegenwerttigkait, nit hat mogen gehandelt
377werden, auch die zeit zu kurtz geweßen, von wegen beyder tayl krige
378kosten, so tegelich auffgelauffen, vor obbemelter, endtlichen voltzihung
379des frides vortrags hievon mit iren Liebden zu handeln, dem-
380nach so seint dieselben itz ertzeltten artickel auf ferner handlunge
381angestalt, dergestaltt, das der Churfurst zu Sachssen zum aller furder-
382lichsten seine Rethe zu bemeltten bayden Fursten schicken und abferttigen
383und mit bayden iren Libden zum vleissigsten und treulichsten - und
384nit anders, als ob die sachen sein liebd selbst belangt - handeln lassen
385sall und will, damit der artickel hiroben vertzeychent, sich anfa-
386hend: "Nemlich damitt das Krigsfolck, so Wirttembergk und
387Hessen etc.", weil diesselb sach keinen vortzug leyden kan, bey beyden
388iren Libden erhaltten und vorvolgt werden moge. Und das
389in den andern angesteltten artickeln, weil dieselbig nit so aylendt,
390bemelter Churfurst, so furderlich das sein lieb anderer irer geschefft
391halber schicken kan, sich aygener person zu bemelten bayden fursten
392vorfuegen, oder die zu sich beschayden, und mit iren Libden zum
393treulichsten und vleissgisten handeln und tractiren sall und will, damit
394die, wie sie gestelt, bey iren Libden auch erhaltten werden mogen.
395Auf dieselbige zceit, welche der Churfurst zu Sachssen die Koe. Mat.
396zceytlich berichten soll, will die Koe. Mat. ire Rethe zu seiner lieb
397schicken, die angezaygtten artickeln bey seiner Lieb, das sie gewilligt
398werden, zu sollicitiren.
Des zu urkunde und bekenttnus, auch
399steter und vehster58 haltung, haben wir, obbemeltter59 , Romischer,
400hungarischer und beheimischer Kunig etc., vor uns und unsere erben
401Eins, wir, , Cardinal Legat, Ertzbischof zu
402und , Churfurst etc. und , hertzog zu etc., als die hend-
403ler, und wir, , hertzog zu , Churfurst etc.,
404vor uns, unsere mittvorwantten, auch in vollermacht der obbemelten
405bayder fursten, und , anders tayls etc., diesen vortracht
406mit aygenen handen underschrieben und unsere insigel wissentlich
407darane gehangen, der da geben ist zum am montage nach
408Johannis Baptiste,60 nach Christi unsers lieben hern gepurth im
409funfftzehen hundert und vier und dreissigsten Jhare.
410 subscribsit
411 Card[inal] Ch[urfürst]
412manu propria subscribsit
413 Churfürst
414Manu propria subscribsit
415 hertzog zcu etc. subscripsit
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Sachliche Anmerkungen