Stuttgarter Landtagsabschied ( 19. Juni 1565) - HStAS A 37 U 3
1Abschid
2des gehaltnen Landtags zu
3,
4 19. Junii
51565,
6das praelaten und landschafft in wöllen, ann statt der hievor in anno 1554
7bewilligten residui unnd ablosung hilff, ann der herrschafft etc. schullden last
81200000 g[u]ld[en] hauptgutz1 und darvon fallenden2 zins uff sich nemen etc.
9unnd andere noch vil puncten betreffend.
10Von Gottes gnaden Wir hertzog zue
11 unnd zu , grave zu etc. bekhennen unnd thun khundt
aller-
12meniglich3, das, demnach allerhannd furtreffenlicher erheblicher, ansehenlicher
ur-
13sachen halben einen gemeinen lanndtag, uff sonntag Jubilate4, den dreytzehenden
14des monats May, zu eintzukhommen, usschreiben unnd furnemmenn
15lassen, daselbsten auch unnsere gehorsame lanndtschafft, von prelaten mehrentheils
16in der person, unnd die abwesende durch ire gegebne gewält, deßgleichen
ge-
17meine landtschafft durch ire gevolmechtigte gesante, gehorsamlich erschinen,
18mit inen auch des uf unserm furstenthumb alten, von vil jaren heer steenden schuldenlasts
19halb5 gnedige hanndlung pflegen lassen, das unns gnedig, unnd sie unsere
ge-
20horsame prelaten unnd landtschafft mit unns undertheniglich folgender punctenn,
21unnd das denselben gegenainander gnedig unnd underthenig6 in dem werckh nach gesetzt
22unnd gelebt solle werden, mit unnd in crafft diß abschidtz, zu allen theilen fur uns, unsere
23erben unnd nachkommen einhelliglich bewilligt, verglichen, versprochen und verabschidet:
24[Art. 1.1] Erstlichen sollen und wöllen sie usser7 undertheniger guethertziger zuneigung, so sie
25zu unnd unsern geliepten sohnen, iren angebornen rechten ainigen landtsfursten
26unnd herrn, gehorsamlich tragen, alls ein ainig zusamen gehörig corpus8, samentlich
27mit einander, an statt der hievor zu anno etc. funfftzig viere bewilligten residui9 unnd
28ablosung hilff, zwelffmal hundert tausent guldin in müntz landtzwerung10, jeden gulden
29zu sechtzig creutzern oder funftzehen batzen, der alten schulden, so vor selbigem neherm
30lanndtag des vier unnd funtzigisten jars, uf unserm furstenthumb, unnd chammergut11
31gestanden, derwegen etliche prelaten unnd ambtern, gegen habenden schadloß
ver-
32sicherungen, mitverschriben, an haubtguet unnd zinß zuvertretten, uf sich nemmen,
33dergestallt, das sie, unnsere prelaten, unnd probstey Nellingen12, frawen clöster,
34bigenien13 unnd kurchencasten14, an den obvermelten zwelfmal hundert tausent gulden
35haubtguet unnd darvon fallenden zins, jars viertzig tausent guldin, unnd sie, die
landt-
36schafft, funftzig tausent guldin reichen unnd zu der jetzo gemeiner landtschafft
geord-
37neter unnd khunfftiger einnemmer hannden jedes jars uf Katharine15 ohne ver-
38ziehen16 oder einstellen17 lifern unnd anntwurtten, davon sie einnemmer
39zum vordersten die jerlichen zins, den zwelfmal hundert tausent guldin, oder des
je-
40nigen haubtgutz, so jedes mals uber die abgelöste summa noch bevor sein wurt,18
41entrichten, unnd das uberig zuerledigung des hauptguets, so weit sich dasselb
er-
42streckhen thuet, verwenden, auch deshalb jerlich dem cleinen usschutz19 in
bey-
43sein unserer dartzu verordneten räth, wie bißheer von wegen der lanndtschafft
44ablesung20 auch beschehen, gepürende urkhuntliche rechnung thun, und also verhandlen
45sollen, wie des ir von gemeiner prelaten unnd landtschafft habender staat ußweiß-
46en würt.
47[Art. 1.2] Doch dergestallt, das erstlichen durch solliche ir underthenig guthertzig bewilligen,
ver-
48sprechen unnd zusagen, von inen usser iren habenden freyhaiten, dem Tuwingischen
49vertrag21, auch allen zwischen inen unnd unns bewilligten unnd zugesagten lanndtags
50abschiden unnd vergleichungen nit geschritten, dieselben geschwecht oder geendert,
51sonnder in allen puncten unverendert oder geschmelert22, crefftig sein, unnd pleiben sollen.
52Wie uns dann fur unns, auch unnsere erben, eines solliches gegen inen auch erclärt, thun
53es auch mit unnd in crafft dis abschidtz, dergestalt, das sie bey solchen iren habenden
54freyheiten unnd abschiden gnedig gelassen unnd denen zuwider nichtz in einichen23 weiß
55oder weg mit anrichtung newer zöllen, ungellt24, maßpfennig25 oder andern anlagen26,
56zuwider obgemelten verträgen und abschiden furgenommen solle werden.
57[Art. 1.3] Unnd zum andern, alls dise außtheilung zwischen unnsern prelaten unnd
lanndt-
58schafft für ein ungleicheit von unns angesehen worden, dessen doch unnsere
lanndt-
59schafft ire ursachen unnd bedenckhen auch angetzeigt, ist dahin verglichen unnd
aller-
60seitz bewilligt unnd eingangen, das dise ungleicheit lenger nit weren soll, dann bis an
61den berüerten zwelfmal hundert tausent guldin hauptgutz die zwey mal
hundert-
62tausent guldin unnd darvon jerlichs fallende zehen tausent guldin zins volkhommenlich
63abgelöst werden. Wann dann solliches geschehen, sollen allsdann gedachte unnsere prelaten,
64probstey , frawen clöster, bigeinen heuser unnd kurchencasten zu
65der lanndtschafft funftzig tausent guldin, allein dreissig tausent guldin, so lang und
66vil, bis widerumb zweymal hundert tausent guldin haubtguetz unnd zehen tausent
67guldin zins abgelöst, auch wann das beschehen, unns abermalen funftausent guldin
68in unnser landtschreiberey folgen, unnd mit der ablosung des uberigen schuldenlasts der
69achtmal hundert tausent guldin die allt gewonlich gleicheit zwischen prelaten und
70lanndtschafft gehalten, unnd mit der lanndtschafft funfftzig tausent guldin unnd der
pre-
71laten fünf unnd zweintzig tausent guldin, thuet zusamen funf unnd sibentzig tausent,
ob-
72gemelter schulden last, der acht mal hundert tausent guldin, mit haubtguet und zinssen
73vertretten27 unnd geledigt28 werden, unnd also die obgemelten funftzehen tausent gulden
74der prelaten unnd kurchencastens und unsern erben zu ablosung deren uff
75unnserm furstenthumb verpleibendem uberigen alten und newen schulden, wie
76darvon heernacher ein sonderer articul gestellt, neben dem andern deposito und
77uberschus der clöster unnd kurchencastens, in unser landtschreiberey
ver-
78folgen29 unnd gedeyen30.
79[Art. 1.4] Auch dise jetzige angetzogne ungleicheit in khunfftigen fellen gemeinen prelaten
80zu keinem eingang unnd nachtheil, noch auch der lanndtschafft zu vortheil gereichen,
81angetzogen oder gepraucht werden sollen. Dartzu der prelaten und anderer
82gaistlichen underthanen unsers furstenthumbs höhers nit, dann wie andere unsers
83furstenthumbs underthanen belegt werden.
84[Art. 1.5] Damit unnd aber unnser furstenthumb, sovil ehe des gantzen schuldenlasts entlichen
85unnd gentzlichen erledigt, haben gnedig verwilligt unnd uf uns genommen,
86den uberigen rest alter und neuer uf beruertem unserm furstenthumb steender
87schulden von unnserm chammerguet, auch der clöster und kurchencastens
de-
88posito unnd uberschus so ehist zuerledigen unnd abzulösen. Unnd allso unnser
landt-
89schafft von demselben gentzlichen entledigt unnd daran einige fernere hilff
zu-
90thun nit schüldig sein,
91unnd als unnserer prelaten unnd lanndtschafft verordneten usschutz, vor der
92zeit gnedig berichten lassen, das unns noch bis in die drey unnd zweintzig tausent
93sibenhundert unnd siben unnd funftzig guldin, zwen unnd viertzig creutzer reichs
94hilffen usstendig, welliche von gemeiner unser prelaten und lanndtschafft
95wegen usgelegt, sie aber innhalt der reichsabschid zuerstatten schuldig weren, haben
96 inen solliche gegen der jetz verwilligten mehrern hilff gnediglich nachgelassen.
97Dargegenn sollen auch die acht tausent guldin, sie unns nehern jaren, uf unnser gnedigs
98begern, von der ablesungs hilf gegeben, gefallen sein. Doch was für reichs anlagen
99jedertzeit, khünfftig gemeinen stennden des uffgelegt, unnd von den
under-
100thonen zuerstatten verabschidet, das solliches allweg zu irer angepür von dem
uß-
101schutz in unnser lanndtschreiberey richtig betzalt unnd erlegt werde,
102[Art. 2.1] unnd aber mit unnd bey sollichem irem underthenigen bewilligen, gleich anfangs unnd
103in aller handlung, bey uns, auch unsern geliepten söhnen, von prelaten und
lanndt-
104schafft, folgender puncten halb gantz underthenig unnd gehorsamlich gepettenn,
105unnd angehalten worden, damit, wie sie bißheer in allem gotseeligen friden und
weß-
106en erhalten, dieselbigen auch zum vordersten, durch den milten seegen, gedeyen und
107verleyhen seiner götlichen gnaden, auch unnser und unserer nachkhommen gnedige
108unnd vätterliche befürderung, gemeine unnsere getreue prelaten und lanndtschafft,
109in unnd bey der erkhanten unnd bekhanten warheit der und unserer
110dem uberreichter , unnd daruf erfolgter
111beeder Apologien31, auch angestelter gleichmessiger kurchenordnung32, durch das gantz
fursten-
112thumb, auch dieselbige uf unnsere und ire nachkhommen unnd posteritet33 propagiert
113erhalten unnd erstreckht,
114damit auch alle neuerungen, in religions unnd kurchen ceremonien, darbey
115auch alle einschleichende secten, sovil immer müglich, verhüet und fürkhommen,
116auch wa die haimlichen eingewurtzlet gentzlichen widerumb abgewendt, unnd keins wegs
117geduldet möchten werden.
118Unnd dann unns sollich ir einmüetig, einhellig, guethertzig unnd gotseeligs
119bitten unnd suchen zu hertzlichen freuden unnd ganz gnedigem gefallen gereicht,
120auch vor dem angesicht Gottes erkhennen unnd bekhennen, das unns durch sein
121gnad unnd verleyen des hailligen Gaists für unns unnd unsere geliepte khinder,
122auch getreue gehorsame lanndtschafft, höhers nit angelegen, dann das und
123sie, in rechter warer erkhanntnus unnsers ainigen herrn unnd seeligmachers
124Jhesu Christi unnd seines hailigen unnd allein seelig unnd lebendig machenden
125worts, deßgleichen , unsere geliepte Söhn unnd nachkhommen bey unser
126getreuen lanndtschafft in christlichen gotseeligem regiment, hinwider sie auch
127in allem fridlichem gotgefelligem leben unnd wesen erhalten möchten werden,
128so haben solliche ir eufferige34 guethertzige bekhantnus unnd underthenig pitten
129unnserer gehorsamen prelaten unnd lanndtschafft zu gantz gnedigem
wolgefall-
130en angenommen unnd unns mit inen gnedig, auch sie mit unns sich underthenig-
131lichen verglichen, obgemelte , unnd ,
132sambt der darüber ufgerichten unnd angestelten kurchenordnung35, durch die gnad
133des Allmechtigen, für unns, unnsere erben unnd nachkhommen allso in der kürchen
134Gottes zuerhallten, darüber getreu wechter unnd schirmer, deßgleichen
ge-
135horsame gefällige underthanen zusein, unns auch von sollicher waren erkhantnus
136durch die gnad des Allmechtigen durch kein zeitliche gefahr, gewalt noch macht
abwend-
137en, sonder zuerhaltung derselbigen allerseitz alle unnsere eusserste vermögen
138leibs, guetz unnd bluets gnedig unnd undertheniglich zu lob seines götlichen namens
139unnd erhaltung seiner geliepten kurchen zusamen setzen36, und bey sollicher erkanter
140und bekhannter warheit, durch die gnad des Allmechtigen, zu allen theillen gotselig
141und bestendiglichen pleiben.
142[Art. 2.2] Es sollen auch unnsere gehorsame prelaten und lanndtschafft sich undertheniglich zue
143uns getrösten, das nit allein die tag unnsers lebens, unsere geliepte söhne,
144dahin auch mit allem vätterlichen fleiß vermanen unnd anhalten, sonnder auch
145in unnser vorhabennder vätterlicher dispositio unnd ordnung dahin ernstlich weißen
146unnd vermögen wollen, bey sollicher Confessio unnd unsern angerichten
147kurchen-, schul- unnd anndern ordnungen bestendiglich zupleiben, darüber alls
148getreu wächter unnd hürten37 zuhalten, unnd die gotseeliglich handtzuhaben38,
149ob auch in khunfftig zeit zuwider sollicher Augspurgischen unnd unser Confession
150unnd appologien, inen anders ufgetrachen wolte werden (welliches doch Gott
151gnediglich unnd vätterlich verhueten welle), das die prelaten unnd von der lanndt-
152schafft, solliches für ire personen, oder auch in den kurchen der stät und fleckhen
153unsers furstenthumbs antzunemmen unnd zutzulassen, doch mit aller
be-
154schaidenheit, sovil christlichen underthonen gegen irer ordenlichen oberkheit gepürt,
155nit schuldig sein sollen.
156[Art. 3] Es solle auch der prelaten stannd bey unnserm furstenthumb, vermög der erection
157alls der annder lanndtstannd, durch unns, unsere erben unnd nachkhommen erhalten,
158stetigs sein unnd pleiben, inmassen derwegen hievor in unser im truckh anno etc.
159funftzig neune ausgangnen ordnungen39 auch fursehung geschehen, unnd solliche
pre-
160laturen jedertzeit mit gotsförchtigen, gelerten unnd fridliebenden theologen besetzt
161die auch ir sein unnd session bey denn land unnd usschutz tägen haben, unnd was jeder
162zeit zu unnser, auch unnserer geliepten söhnen, allen derselben nachkhommen,
deß-
163gleichen gemeinem unnserm furstenthumb lanndt unnd leuthen nutz, ehr, ufganng40
164unnd wolfardt zuberathschlagen unnd furtzunemmen fürfellt, dasselbig mit unnd
165neben unnserer gehorsamen lanndtschafft getreulichen erwegen unnd schliessen,
der-
166gleichen was verglichen, in das werckh zurichten, underthenig und gehorsamlichen helffen,
167auch von sollichen prelaturen nichtz verendert, versetzt, noch alieniert werden.
168[Art. 4] Allso sollen auch die gaistlichen gefäll unnsers angerichten kurchencastens, was diser zeit
169von stifften, manns unnd frauen clöster, samlungen unnd andern gaistlichen
ein-
170khommen dahin verwenndt unnd mit der Zeit, vermög obvermelter unser im truckh
171außgangener ordnung, weiter darein fallen soll, bestendiglich erhalten, solliche
172gefell nit verendert, sonnder zuerhaltung der ministerien, ansehenlichen großen
173antzaal der pfarrern, diaconen, subdiaconen, der angerichten pedagogien unnd
174allen dartzu gehörigen notwendigen preceptorn, deßgleichen zuerstattung der
sub-
175sidien der gar armen jungen schulern, unnd dann sonderlichen zu trost, schutz unnd
176schirm lanndt unnd leuthen, auch andern dergleichen gotgefelligen nottwendigen
177usgaben, abermals vermög unser im truckh ausgangner ordnung, in unnserm
178furstenthumb verwenndt werden.
179[Art. 5.1] Sovil dann die gebettene dotation unnsers stipendii zu 41 belangt, haben
180wir nach zeitlichem daruber gehaptem rath nicht khünden befinden, wie semlichs
181bas dotiert möge werden, dann das uber die jerliche geordnete gefell und
einkhom-
182men an gelt, so hievor in unsere ämpter ausgetheilt, desgleichen die
verord-
183nete hilf von den prelaturen an fruchten unnd wein, bestendiglichen dahin, unnd
184was weiter (welches dann auch ein ansehenlichs ist) ufgewenndt usser dem
kurch-
185encasten unnd desselbigen gefellen dahin gefolgt, unnd also das stipendium
dar-
186uf bestendiglich fundiert, verwisen unnd versichert sein solle etc.
187[Art. 5.2] Wann es sich aber mit der zeit befinden, das inen fürtreglicher sein möchte, dasselbig
188mit underschidlichen benanten gefellen irem begern nach dotiert solte werdenn,
189wellen wir dartzu auch gnedige hilff unnd befurderung thun.
190[Art. 5.3] Unnd dieweil fur rathsam angesehen, das von wegen des fruchtparlichen profectus
191unnd furschreittens der jugendt in den vier mehrern oder grössern closter
192schulen42 von der bestimbten, darinn erhaltenden antzaal, jeder zeit funfftzig
193in unnser stipendium zu , uber die hundert, so zuvor bestendig
194alda seien, geordnet werden sollen, haben wir unns solliches auch gnedig
gefall-
195en lassen, unnd hiemit dise verordnung gethon, das solliche funfftzig personen
196von den vier clöstern erhalten, unnd allso das in einer summa in unserm stipendio
197zu unnd in den closter schulen unstendiglich vierthalbhundert43
lanndt-
198khinder44, in gottesforcht aller christlichen unnd gotgefelligen education45 und disciplin
199deß gleicher getreuer unnd embsiger anhaltung unnd befurderung irer studien,
200sonderlichen aber zuversehung unnd besetzung der ministerien der kurchen Gottes
201unnd der schulen gotseeliglich ertzogen und per gradus46 gefurdert werden sollen,
202allso wellen wir auch, das die closter schulen in dem stannd der christlichen disciplin,
203zucht, lehr unnd gotsförchtigen ybungen leben unnd wesen. Desgleichen in der
204antzaal der personen, nemlich dritthalbhundert47, darunder die funftzig, so im
stipen-
205dio erhalten werden sollen, auch gerechnet, auch der verordneten underhaltung,
206wie dieselben jedem closter hiebevor unnd anfangs benent unnd geordnet seien,
207fur unnd fur sollen von unsern landtkindern besetzt, erhalten, von einem gradu
208zu dem andern, in studiis gefurdert, letstlichen gehn48 in das stipendi-
209um zu volkhommenem lauf irer studiorum verordnet unnd von dannen zue
210den ministerien an gepürende orth angenommen werden.
211[Art. 5.4] Dergleichen sollen auch weniger nicht die angerichte pedagogia, particular schulen,
deß-
212gleichen subsidia, der gar armen unnd jungen schulkhinder in irem wesen bestendiglich
213zu trost der armen und gotseeliger ufferziehung irer jugendt erhalten werden.
214[Art. 5.5] Uber solliches, dieweil hietzwischen der angerichten closter schulen unnd gotseeligen
christen-
215lichen exercitien, auch disciplinen, in demselben mehrfelltig furgefallen, das vonn
216gemeiner unsers fürstenthumbs burgerschafft, furnemlichen aber den jenigen, so
217den armen mit hinpringung irer khinder nit gern verhinderung thun oder
den-
218selben furkhommen, aber dannocht gegen Got dem herrn vonn wegen irer daheer
219gnediglichen bescherter unnd gemehrter narung gern sich auch danckhpar ertzeigen, und
220ire khinder in aller gotz forcht, zucht, disciplin unnd eingezogenem wesen von jug-
221endt uf zubefurdern, seiner allmechtigkheit, ehr unnd des gemeinen nutzen, es
222were gleich in kurchen oder politischen sachen in den clöstern, gegen zimlicher
er-
223legung des costs geltz, vil lieber alls bey den pedagogiis oder particular schulen, in
224den stätten unsers furstenthumbs oder andern orthen, allerdings der disciplinen
225unnd christlichen exercitien, den anndern closter schulen gemeß, uffertziehenn
226lassen wolten, unnd allso dahin gedacht worden, wa ire kinder nit gehörtermassen
227bey den anndern lanndt khindern undergebracht und erhalten, das doch eines oder
228zwey clöster zu sollicher burgerlichen schul, unnd allein zu irem underschlauf,
dar-
229zu die disciplin der preceptorn von den clöstern, aber alle anndere underhaltung
230mit essen, trinkhen, unnd anderer notturfft von inen selbs oder deren eltern
ge-
231haben möchten.
232Solliches aber bißheer nit angericht, noch dise zeit uf gewisse maß unnd ordnung bedacht, unnd
233berathschlagt werden mögen,
234unns aber sollich christenlich vorhaben auch nit zuwider, so haben unns gnedig
235dahin erclärt, sollichem werckh berathenlich nach unnd uf solliche mittel unnd weg
zuge-
236denkhen, damit abermals die vermögliche burgerschafft in dem unsern gnedigen
237willen befinden unnd spüren sollen.
238[Art. 5.6] Wie dann auch im werckh, unnd also in beraitschafft stannden, neben unsern unnd
239unnserer universitet zu zuthun, daselbst ein gantz neu collegium49
uf-
240richten unnd das furnemlich bauen unnd anrichten zulassen, damit unnsers
241furstenthumbs lanndtkhinder neben andern darinnen iren underschlauf, disciplin,
242auch zimliche underhaltung mit essen unnd trinckhen gegen gepürlicher und
243leidenlicher betzalung haben, unnd nit ires gefallens in der statt bey der
burger-
244schafft, weder ir underhaltung noch wohnung suchen dörffen,
245[Art. 5.7] Allso seien wir in berathschlagung etliche plater heuser50, ob unnd unnder der staige51, an
ge-
246legnen orthen, für die presthaffte52 verletzte arme personen anzurichten,
da-
247mit solliche presthaffte leuth darinnen mit rath unnd pflag53 der artzet54 und scherer55,
248sonnder auch mit anderer notturfft zimlich underhalten, inmassen derwegen in
249mehrgemelter unser ordnung auch anregung geschicht.
250[Art. 6.1] haben unns auch bey obgemeltem puncten der ablosung hilf ferner gnedig-
251lichen erclärt unnd bewilligt, wo unnsers furstenthumbs incorporiertera, diser
252Zeit aber widerspenstiger prelat zu 56 zu schuldiger gepürlicher unnd von
253alter heerkhommener gehorsame der gemeinen contributionen unnd andern
254hilffen auch geprachtt, das sein angepür, alls ein augmentum, auch zu der
abloß-
255ungs hilf angewenndt unnd gefolgt werden.
256[Art. 6.2] Allso wellen wir auch bey den Sachsenheimischen underthanen57 gnedige handlung
fur-
257nemmen lassen, damit sie an sollichem schuldenlast auch contribuiern, und was
258bey denselbigen erhalten, solliches auch gemeiner lanndtschafft zu guetem an der
ab-
259losung hilf kommen lassen.
260[Art. 6.3] Allso sollen auch die von Ober Sielmingen58, angesehen sie von althers auch zue
261unnserm furstenthumb gehört unnd jetzo widerumb zu demselben erlangt,
262gleichmessiger angepür nach, das ir59 zu diser hilf erstatten, unnd unnserm
263furstenthumb einverleipt unnd anhengig sein unnd pleiben.
264[Art. 7.1] Bey disem allem ist auch ferner verglichen unnd verabschidet, im fal sich ein
265lanndtkrieg, niderlag eines regierenden fursten (welches doch Got
gnedig-
266lich verhüeten welle), außsteurung der fröwlin60, reichshilffen oder
der-
267gleichen notfellen, so gemeinen unnsern prelaten unnd lanndtschafft, nach
268innhallt des Tuwingischen61 unnd nehern anno etc. funftzig vier aufgerichten
269vertrags unnd lanndtags abschid62, hilf zuthun oder zuvertretten gepürte, zu
270müegen, das alßdann die ablossung stillsteen unnd dahin verwenndt werden
271solle.
272[Art. 7.2] Das auch gemeine prelaten unnd lanndtschafft, deren usschutz alhie befolhen,
hin-
273fürean inmassen von alter heerkhommen zu ussteurung der fröwlin zu
274 dreissig zwey tausent guldin zugeben, das nemmen von
275unnser getreuen geliepten landtschafft zu gnedigem gefallen an, und wellen
276die verwürckhten strafen deren, so uber verbot des mandatz neue weingart
277ohne erlaubnus gemacht haben, uf der lanndtschafft underthenig fürpit gnedig-
278lichen fallen lassen, doch das sollichem verpot, welliches wir auch durch
279ein usschreiben in alle ämbter unnsers furstenhumbs wider erneuern
280unnd ußkhunden lassen wellen, würckhlichen unnd gehorsamlich hinfüro
ge-
281lebt unnd die ubertretter vermög unnd innhalt solliches gestrafft werd-
282enn.
283[Art. 8] seien auch gnediglichen bedacht, die pfanndtschafft der dreien fleckhen
284ihenseit des , , unnd ,63 wann
285die pfannd jar uß sein, zu unserm furstenthumb widerumb zulösen. So
286hat es noch der zeit mit sein sonndere maß, darus nit wol geschritten
287mag werden.64
288[Art. 9] Nach dem auch von gemeinen unnsern prelaten unnd landtschafft, unangesehen
289hiebevor irem grossen usschutz neben fürlesung der gelerten schrifftlichen
290rathschlegen, auch gnugsamer des alten geprauchs vnd heerkhommens, wie
291es des abtzugs halben im hinaus erben geschaffen, bericht furgebracht, dannocht
292bey disem landtag widerumb anregung beschehen, aber befunden, solliche
ein-
293khommen fur ein sonnder ehehafft65 in unnsers furstenthumbs allwegen gehalten und
294gehandthabt sein, auch von andern genachparten chur unnd furstenthumben, herrschafften,
295stätten unnd oberkheiten gegen den unsern solliches nit gepraucht, so haben in dem auch
296nit untzytliche bedenckhen gehapt unnd es allso bey dem alten heerkhommen pleiben lassen,
297dan uf unser gehorsamen prelaten unnd landtschafft underthenigs beschehen erhalten unnd
298bitten, haben aus gnaden bewilligt, das gegen denen oberkheiten, so gegen unsers
299furstenthumbs angehörigen und underthanen die gleicheit halten werden, unnd also kein
300abtzug nemmen, das die elter ire kinder, hinwider die khinder ire eltern, vatter und muter,
301ahne abtzug aus unnd einerben mögen, ob auch andere anreinende herrschafften und
ober-
302kheiten, an unnser fürstenthumb, sich weiters mit dem aus und ein erben mit uns und unser
303lanndtschafft bestendiglich vergleichen welten, wollen uns gleichsfals unsern underthanen
304zu gnaden auch gnedig verhalten.
305[Art. 10] Alls sich auch unsere getreue lanndtschafft beclagt, das an vilen orthen unsers furstenthumbs durch
306das wildpret schaden beschehe, haben unns gnedig verwilligt, so offt kunfftig deßen
307in specie bericht werden, gnedigs unnd gepürlichs einsehens zuverfüegen, damit das
wild-
308prät nit hauffent zuschaden des armen mans unnd seiner feldgüetlin uberhannd nemme,
309wa unns auch von wegen haagens, jagens, extra ordinari fuerung66, beschwerden furkhämen
310und uns die in specie dargethan werden, wellen jedertzeit gepürlichs einsehens thun
311und sie altem heerkhommen zuwider nit beschweren lassen.
312[Art. 11] gedenckhen auch bey den prelaten und nunnen clöstern, sovil immer müglich, mhrere
313eingetzognere unnd bessere haußhaltungen dermassen antzustellen, damit von jaren
314zu jaren solliche des kurchencastens depositum gemehrt unnd mit der ablosung dester
315richtiger möge furgeschritten werden.
316[Art. 12] Alls auch die lanndtschafft sich ab67 unsern ambtleuthen, das sie die underthanen in irer
verricht-
317ung rauch68 anfaren unnd was unbeschaiden verhalten sollen, sich beclagen, da ist unser
318gnedigs begern, uns solliches in specie jedertzeit antzutzeigen, wellen darüber
319billichs einsehens haben.
320[Art. 13] Allso wellen wir auch die professores unserer hohen schul mit embsigerm lesen zue
321mehrerm fleiß anhalten.
322[Art. 14] Dieweil auch uf disem landtag furgefallen, das von nöten sein welle, was erclärung
323in dem landtrechten von wegen der erbschafften zu thun, wellen wir zu ehister
ge-
324legenheit dartzu unsere räth neben der lanndtschafft usschutz, auch von der juristen
325facultet zu ordnen, die sollichs alles ersehen, erwegen, unnd nach dem ir
326samentlich bedenckhen unns furgepracht, alßdann daruf sollich unser landtrecht in den
327unlautern69 puncten erclären, auch dasselb widerumb mit einverleipter erclärung
328truckhen lassen, damit hinfüro bey den gerichten daruf richtig den partheien urtheil
329gesprochen werden, auch der gemein mann dessen ein verstand haben und sich
dar-
330ein richten möge.
331[Art. 15] Es solle auch alßdann der stattschreiber tax bedacht, damit unnsere underthannen vonn
332inen nit beschwert, dartzu inen ein pillicher staat gemacht werden.
333[Art. 16] Dergleichen, dieweil unser landtzordnung in etlichen puncten erclärung zuthun von
334nöten zusein furgefallen, so sellen dieselben unsere verordnete räth und von der juristen
335facultet neben dem usschutz, die sambt dero comertien70, handthierung, gewerben,
hanndt-
336werckhen, erhaltung der wochenmärckhten in stätten, heut71 unnd wollen kauf, das
337tucher, rot72 unnd weißgerber handtwerckh, waller73 unnd frembder krämer, dartzu die
338gewerben in dörffern, und andere politische puncten auch fur hand nemmen, von puncten
339zu puncten verlesen und erwegen, was darinnen zuerclären und zuverbessern sein
340welle, unnd uns folgendtz ir berathenlich bedenckhen fürbringen, daruf wir dann die selb
341mit sollicher bedachter erclärung und enderung wider truckhen und ußbinnden74 lassen
342wellen.
343[Art. 17] gedenckhen auch uf unnser landtschafft underthenigs und gehorsams bitten uf kunfftigen
344reichs und andern tägen, sovil an unns ist, dahin helffen zuhandlen, das mit
ubermeß-
345igen reichs anlagen, die durch die reichs abschid den underthanen ufgelegt werden wellen,
346sovil immer erheblichen, ir der underthanen verschont werde.
347[Art. 18] Nachdem auch unnser lanndtschafft sich beschwert, das vilen unsern clöstern und ambtern
348mit der fuer75 im zug fur Ericord76 uber die vier und zweintzig guldin, so uf einen jeden
349wagen gegeben worden, ein grosser cost ufgangen, unnd underthenig gepetten, inen
350bey unserm vettern und pfleg Sohn Graf 77 etc. derhalb
351widerlegung78 gnedig zuverschaffen, sollen uns sie, unsere prelaten und landtschafft, durch
352iren cleinen usschutz in specie sollichen ufgewendten costen fürlegen, wellen uns
353daruf weiter nach billichen dingen vernemmen lassen.
354[Art. 19] Alls auch unnser getreue lanndtschafft sich beschwert, das die vom adel in den stätten unsers
355furstenthumbs mit kauffung der heuser und güeter sich eintringen79 thun, solle uns das in
356specie und underschidlich dargethon werden, wellen der gepür einsehens thun.
357[Art. 20] Das dann unsere prelaten und lanndtschafft sich von wegen der ungleichen flaischschatzung80 in dem landt
358beschwert, wie auch bedacht möchte werden, das rechtgeschaffne vieh zuchten in dem landt angericht
359würden, also das von den inländischen die waiden beschlagen81, den winter das fueter durch der
360landtmetzger und schäffer vieh und schaaf verezt82 unnd der nutzen, so die frembden haben, dem
361landt zu guetem kommen möcht, wollen wir uf unser landtschafft der flaischschatzung halb ferner
362uberschickhte bericht und des usschutz underthenig ferner anhalten, ihemandt von unsern ober
363und chammer räthen neben inen dartzu ordnen, solliches nach notturfft83 zuberathschlagen, und
364wa von nöten, so sollen auch die ämbter und die jenigen, so die vieh zucht belangen will, uber das,
365so derhalben berathschlagt würt, gehört, damit inen kein unbilliche beschwerd ufgelegt werde.
366Unnd was da befunden wurdet, gemeiner landtschafft nutzlichen und furstendig zu sein, wellen
367wir solliches in das werckh richten, unnd zu sollicher berathschlagung die von prelaten und
landt-
368schafft bestimbte personen dartzu ziehen lassen.
369[Art. 21] Wie auch von prelaten und gemeiner landtschafft undertheniglich gepetten, uf die wege bedacht zusein,
370das die von , , auch andere inn und umbligende reichs stätt, und vom adel
unß-
371ers furstenthumbs, sich gleicher meß und eich mit unser landtschafft vergleichen thetten,
372befinden nach statlichem darüber gehaptem rath, das solliches unerheblichen, darumben der sachen
373notturfft nach weiters bey obgemelten unnd andern puncten nachtzugedenckhen.
374[Art. 22] Alls auch uns uf disem landtag ferner clagendt furkhommen von wegen romung der wäld
375vermög unser im truckh ausgangner forstordnung, das auch die forstmeister die häu84 zuab-
376hauung des holtz, spaat ufthan85, also das in der forstordnung bestimbter zeit die häu nit wol
377gerombt mögen noch khünden werden, wellen dise verordnung und befelch
378unsern forstmeistern geben, das sie die winter häu zwischen Michaelis86 und Galli87 jedes
379jars zuabhauen ußgeben, unnd das solliches beschehen, sie jerlichs im urkhundt irer
rech-
380nung pringen sollen.
381Unnd was also noch vor der winter gefrörin88 abgehauen, das soll den winter hinumb aus
382den häuen gefüert und die wäld gerombt werden, was aber in dem Mertzen und Apprillen
383und also gegen dem früelinge gehauen, das solliches bis Michaelis ussen den häuen gefüert werde.
384Das unsere prelaten unnd landtschafft sich beclagen, das von etlichen unsern forstmeistern zuwider
385unserer forstordnung mehr dann sechtzehen banraitel89, also auch jedesmals, wann die wäld
386gehauen, uber die alte noch entgegen steende weiters sechtzehen banreitel steen zulassen,
387unsere underthanen angehalten, so doch an etlichen orthen von wegen das des bauholtz halben
388die gemeinden eigne banwäld, also das in den andern und uberigen wälden sovil banraiteln
389nit bedörffen, da lassen wir es, dieweil nit füegliche gleicheit gehalten werden mag,
390bey vermelter unser forstordnung dißmals pleiben. Derenhalben aber, so sich dessenn
391kunfftiglichen zubeschweren hetten unnd bey uns dasselb anprächten, wellen wir unsern
392forstmeistern befelhen, neben unsern ambtleuthen und andern verstendigen, die häu jedes
393jars zubesichtigen, und wa sich die menge der banraitel in den heuen befindet, also das, da
394das junge holtz darvor nit ufwachsen kan, das da einsehens beschehe nach pillichen dingen.
395Das dann sich gemeine landtschafft beschwert ab den forstmeistern und knechten, das sie zuwider der
396forstordnung und vorigen landtags abschiden mit vertzeinung90 und vergrabung91 irer guet, auch schöchung92
397des wildtprätz usser denselben, das auch sie etwan93 die underthonen unschuldiger weiß
ein-
398legen sollen, so folgendtz sich erfindet, das die unschuldig, doch nit desto weniger die atzung94,
399auch fach guldin95 geben müessen,
400deßgleichen mit klaubung96 wilden obs97 und biren98, der hund und anders, leichtlich straffen
für-
401nemmen. Daruf ist unser gnedigs begern unnd befelch, das solliches uns in specie
402und underschidlichen dargethan werde, wellen wir derwegen ernstlichs einsehens thun,
403unnd was bey unns jederzeit der groß unnd clein usschutz unserer landtschafft diser und ander
404der lanndtschafft obligen99 unnd sachen halben anpringen würt, darinnen wellen wir sie
405jedertzeit, wie auch bißheer beschehen, gnediglich hören, abwendung und einsehens der
ge-
406pür unnd pillicheit nach thun, damit unser landtschafft, ambter, fleckhen und underthonen
407vor unpillichen beschwerungen verhüet und gnedig geschützt und geschirmbt werden.
408[Art. 23] Unnd nachdem die lehenleuth unsers furstenthumbs vermög der erection für den dritten
409stand desselbigen, auch wie die zu dem regiment zutziehen, angesehen, zu dem in dem
410Tuwingischen vertrag angeregt worden, nach mittel und wegen zu trachten, wie
411die etwas nahent zu unserm furstenthumb, durch gnedige mittel und weeg zupringen,
412auch derwegen bey sollicher furgeloffner tractation von unserer gehorsamen prelaten
413und lanndtschafft anregung geschehen, wellen wir den sachen ferners nach denckhen, wie
414diser sachen fuegliche mittel unnd weg zufinden sein mögen.
415[Art. 24] Ferner den vorrath der landtschafft fruchten betreffendt: Dieweil die prelaten und
landt-
416schafft gemeinlich sich deßwegen underthenig erpürten thun, sich fürohin dessen grossen
417usschutz, hievor berathenlichen beschehen, verwilligen und daruf unserm gefolgten
uß-
418schreiben, nemlich das ein im monat Januarii anno etc. sechtzig eins, das ander im monat
419Februarii anno etc. sechtzig zwey, unnd das dritt den letsten Augusti anno etc, sechtzig viere
uß-
420gangen, allerdings gemeß zuhalten, soll es allso darbey würckhlich beruohen und besteen, doch
421in allweg dahin gesehen unnd die sachen gericht werden, das die märckht mit früchten erhalten
422unnd der gemein mann bey der hannd täglichs sein notturfft in rechtem fayllem kauf haben und
423das brot in zimlichem werth pleiben und nit mangel erscheinen möge.
424[Art. 25.1] Der communen rechnungen und remanet betreffende, das unsere ambtleuth unnd
ge-
425santen von der landtschafft sollen und wellen, irem beschehenen underthenigen erpieten
426nach, die sachen furthin bey inen also anschickhen, das jerlichs unser landtzordnung nach
orden-
427liche unnd richtige rechnung gehört unnd die remanet zum vorrath des gemeinen nutz par100
428erlegt, besonder auch die noth unverhörte rechnungen und unbetzalte remanet, hietzwischenn
429nechstkunfftig Liechtmeß101, allerdings ordenlich abgehört, und von den vermöglichen also baar ohne
430fernern uftzug betzalt, unnd den unvermuglichen zur billichen bezalung nach gestallt
431der sachen zil zugeben, unnd lenger nit eingestelt werden, zuverhüetung unsers
ernst-
432lichen und billichen einsehens.
433[Art. 25.2] Hiemit auch der spittaln, sondersiechen, armen cästen, witwen unnd waisen, mül unnd
434andere rechnungen verstanden sollen werden.
435[Art. 25.3] Ferners, damit dem lang gemachten schulden und gülten last der communen und sonderer
per-
436sonen auch einest widerumb abgeholffen, dartzu mit gueter inspection bey dem
gemein-
437en mann ein bessere haußhaltung und sparung angeschickht, unnd ob inen, auch den
ver-
438schwendern unnd faullentzern, gehalten werde, sich ferner mit gülten unnd schulden
439zubestöckhen, sonder dero sich wider zuledigen, und vor sollichem verschwenden,
faullentz-
440en und müessigang verhüet werden mögen, sollen unsere ambtleuth und gesandten
441von der landtschafft, derwegen irem selbs beschehenen underthenigen erpüeten nach, mit
442unnd in crafft deßhalb von unns hievor sondern beschehenen usschreiben und unnser
443landtzordnung, mit den gerichten, an jedem orth guete würckhliche anschickhung thun
444und an inen ires theils nichtz erwinden lassen,
445[Art. 25.4] ferner das sie auch der stätt unnd fleckhen stattrecht, freyheiten, verträgen, gewanheiten,
446marckhungen, wun102, waid, trib103, trat104 unnd ander ir municipal sachen unnd
gerechtig-
447kheit hanndthaben, und derwegen in alweg guete anschickhung thun wellen, wa sie die
448nit in gueter richtiger neuerung und vertzeichnus haben, dieselben nachmals in guete
449richtige neuerung und vertzeichnus zupringen.
450[Art. 26] Anlangendt ein richtige bauordnung zuverfassen, damit dester ordenlicher und gemein
451nützlicher gepauen und auch der reiche und arme nit also von den bauleuthen
ubernom-
452men werden, soll der grosse usschutz unserer landtschafft zu ehister gelegennheit für
453hannd nemmen, die sachen aigentlichen erkhundigen, wol bedenckhen und berath schlagen,
454nach geendtz ir bedenckhen uns furbringen, wellen wir solliches weiter erwegen,
455berathschlagen, und folgendtz uns von oberkheyt wegen mit dem grossen usschutz
456vergleichen unnd alßdann solliches in unserm furstenthumb publiciern und usgeen
457lassen, damit die unrichtigkheit und ungleicheit in gepeuen, auch die grosse
un-
458treu und ubernemung den frembden unnd inländischen meurern, zimmer und
459anderer handtwerckhs leuth abgeschnitten werde.
460[Art. 27] Des malefitz rechten halben ist verabschidet, dieweil kein bessere dann des hailligen
461 halß gerichts ordnung105 erhalten unnd für genommen werden mag, so soll
462fürohin in unserm furstenthumb allerdings darnach geurtheilt werden.
463Dieweil aber in etlichen derselben puncten nit gleicher und lauterer verstand
genom-
464nommen möcht werden, so sollen sie dieselbigen mit unnserm vorwissen und rath
465auch dem grossen usschutz unnd sonder dartzu erforderten der recht gelerten von unser
466juristen facultet zu unnd rechtzgelerten räthen erleutern, und bey den-
467selbigen die gepürendt straf sovil gesein kan, setzen unnd bestimmen lassen. Wa
468aber die sachen solliche umbstend haben, oder also beschaffen, das darinn kein lauters
469kan gesetzt werden, unnd die Zweifelig seien, in selben puncten mögen sich alsdann
470die gericht bey unnser juristen facultet zu vermög jungsten
landt-
471tags abschidtz wol raths erholen, damit niemandt verkhürtzt106, vernachtheilt107, nach108
472beschwert109 werde.
473[Art. 28.1] Unnd damit die zins der zwelfmalhunderttausent guldin desto richtiger betzalt, haben
474wir inen dieselben underschidlich ußziehen unnd zustellen lassen, unnd sollen der
lanndt-
475schafft umbschlag, der funftzig tausent guldin, auch der prelaten viertzig tausent guldin,
476erst uf Catharine110 anno etc. sechtzig sechse zum ersten mal umbgelegt und eingezogen,
477aber uf nechstkhunfftige Catharine lauffenden Jars, die alte bißheer gewerte hilffen,
478als nemlich von den prelaten unnd kurchencasten siben und dreissig tausent, ein hund[ert]
479drey unnd achtzig guldin, unnd dann der lanndtschafft gepurende ablosungs hilffen,
480durch jeder prelaten und landtschafft jetz bedachte einnemmer zusamen
einge-
481zogen, und unns zuerstattung volkhommener zins biß Catharine schierist111, zwey
482unnd zweintzig tausent guldin darvon erlegen, unnd das uberig zubetzalung der
483zins, von den zwelfmal hundert tausent guldin, so uf und nach schieristem diß
laut-
484enden jars khünfftigem Catharine anfahen werden, gefallen, verwenndt werden.
485[Art. 28.2] Unnd damit prelaten unnd lanndtschafft mit betzalung der uf sich nemmenden zins
486desto unverhinderter fortgeen und solliche entrichten mögen, sie auch allwegen
487der folgenden zinß halben, zu einem vorrath kommen thun, soll mit abkhündigung
488der ablosung bis Catharine des siben unnd sechtzigsten jars stillgestanden unnd erst
489solliche ablosung uf Catharine des acht unnd sechtzigsten jars beschehen. [Art. 28.3] Trüegen
490sich aber hietzwischen reichs anlagen, ussteurung unserer töchter und dergleichen
491hieoben specificierter fell zu, soll mit der ablosung auch stillgestanden werden,
492vermöge obgesetzter vergleichung.
493[Art. 29.1] Dieweil die grosse ungehorsame der losen verruchten bueben, der wildprät
494dieb unnd schutzen anderst nicht dann uf faullentzen, fressen, sauffen und schwelgenn
495gericht, auch ire weib unnd kind an den bettelstab pringen, unnd dermassen uberhand
496nimbt, das in zeit unser regierung uber die tausent mit urtheil und recht gestrafft,
497auch sollich loß gesünd, unverholen sagt, das es inen umb ein gerings zuthun,
zweintz-
498ig pfund zugeben unnd ein monat in dem thurm zuligen. Sie lösen allein aus häuten,
499bis etwan einer einkhombt, als vil, ja auch dopelt mehr, also das von wegen der
ge-
500ringen straf, unnd das sie wissen, wamit sie büessen künden, solliche ungehorsame
501und vile der wildprät dieb gibt. Derwegen zufürkomung ergers, es mit unßer
502lanndtschafft weiters (wie sollichem ubel gewehrt) uf versuchen gnedig verabschidet,
503das hinfüro ein jeder wildprät schütz, so da mit buchsen und armbrost geschossen, uf das
504wildprät mehrfeltig gewandert unnd gefellt, auch solliches uf ine in recht erwißen und
beyge-
505bracht were, zu dem ersten ein monatlang mit wasser unnd brot in dem thurm uf
506sein costen gestrafft, folgendtz ime alle wöhr, offen zechen, besuchung der hochtzeiten
507unnd aller ehrlicher gesellschafften verbotten, auch in den zehenden gebannen, darus
nim-
508mer zukhommen, ohne begnadigung, auch dessen zuhalten und zulaisten ain leiblichen aid
509schwören. Unnd so er sollichen aid mit weiterm wildprät schiessen gefarlichen verpreche
510unnd solliches khuntlich were, soll er widerumb fenglichen eingetzogen, peinlich als ein
511meinaidiger beclagt, unnd was erkhennt, an ime volstreckht unnd widerumben, wie
512hievor, mit verbietung der wöhr, offentzechen, hochtzeiten und ander ehrlicher
ge-
513selschafften unnd schwörung in den zehenden gebannen werden.
514So er aber des nit halten unnd zu dem andern mal sein glibd und aid in vergeß
stell-
515en wurde, ain sollicher alßdann widerumb peinlichen beclagt unnd mit urtheil und
516recht ine an seinem leib unnd leben zustraffen, erkhennt werden.
517[Art. 29.2] Dieweil auch die wildprät fallen unnd selbgeschoß112 so gemein in unserm landt werden,
518unnd dieselben leuthen und vich113 sehr sorglichen114, deren vil auch dardurch geschädigt werden,
519so haben wir mit unser landtschafft deßwegen verabschidet, das wa solliche, die in
520unser försten dergleichen fallen unnd selbgeschoß gelegt unnd in recht erwisen,
die-
521selbige umb funf unnd zweintzig pfund gestrafft, dartzu funf wochen mit wasser
522unnd brot in dem thurn biessen115 thun.
523[Art. 29.3] Alls sich dann offtermalen begibt, das dise wildprät dieb mit geschifften116 bärten,
ver-
524mumbten angesichten uf den höltzern auch etwann in weybs klaidern geen, und also
525schiessen, unnd aber ein solliche vermumben den rechten zuwider, und gewiß solliche anderst
526nit furhaben, dann die jenigen, so inen solliches wören117 wolten, zuerschiessen und
zuer-
527morden. Derwegen wir mit unserer lanndtschafft verabschidet, wann solche
528betretten, die also mit geschifften bärten, vermumbten angesichten unnd in weibs
529klaidern einkhommen, das dieselbigen dennechsten zu der peinlichen frag erkhennt,
530die warheit aus inen zuerlernen, aus was ursachen sie solliches gethan, und wa sich anders
531strafwürdigs bey inen nit befende, alßdann wie die andere wildprät dieb und schutzen
532zu dem ersten mal gestrafft. Befende sich aber, das sie der ursachen halben vermumbt,
533das sie willens gewesen, ihemanden zuerschiessen, so sollen sie peinlich beclagt, mit
534urtheil und recht als grassatores118 erkhennt unnd gestrafft werden.
535[Art. 29.4] Sodann auch sich nun etliche mal befunden, das hin unnd wider in den wälden vergiffte kugelen
536gelegt werden, dardurch das wildprät, so solliche genommen, unsinnig unnd rosend119 worden,
537auch etlichs zamens vich, dartzu, wa bey unser hofhaltung oder sonsten von sollichem
wild-
538prät geessen, alle die ihenige auch inficiert und sich nit weniger nachtheils der
unsinnig-
539kait mit schaden leibs unnd lebens zubefaren, haben wir unns mit unser lanndtschafft
540deßwegen verabschidet, wa allso betretten, die solliche vergiffte kugeln gelegt, gemacht,
541rath unnd that dartzu geben, das die gefenglich eingetzogen, fur recht gestelt, peinlich beclagt
542und vermög kayserlicher geschribner recht daruber geurtheilt werde.
[Art. 29.5] Sonsten lassen wir
543es bey der vergleichung der anderer wilderer, auch deren, so theil und gemein mit inen
544haben oder inen wissentlichen underschlauf unnd herberg geben, bey der vergleichung, mit
545unnserer landtschafft anno etc. ain und funfftzig unnd vier und funftzig gemacht, und deren
546darinn gesetzter straf, allerdings bleiben.
547Unnd soll dise obvermelte enderung der straffen mit den wildprätschützen, allein uf
548die ihenigen, welche zum ersten und andern mal, nach disem abschid, unnd nach dem
der-
549selbig, ir der wildprät schützen halb, durch ein mandat, zuvor (wie wir bedacht seien)
550verkhundt, strafbar befunden unnd uberwisen, verstanden werden.
551Sonnsten aber der anndern halber, so hievor ein mal oder zwey, innhallt nechstiger
552anno etc vier undfunftzig gemachter vergleichung gestrafft, unnd weiters verbrechen
553wurden, soll es mit den uberigen gradibus innhallt selbiger alter vergleichung
554gehalten werden.
555Wa aber durch solliche mittel und wege disem ubel nit geholffen, behalten wir uns bevor,
556solliche wildprät schützen, des landtz gentzlichen zuverweisen und das verschwören
557zulassen, unnd wa sie darüber betretten, als meinaidige an iren leiben und leben
Zu-
558straffen.
559[Art. 30] Des zu warem urkhundt, so haben etc. unnser innsigel hieran
560gehengt, unnd dann die prelaten , , und
561 von ir unnd der andern prelaten, dartzu die von , , ,
562, und von ir unnd gemeiner landtschafft wegen ire
563innsigel auch an disen abschid gehangen. Deren vier gleichlautendt gefärtigt,
dar-
564under etc. den einen zu unsern handen genommen, den
565andern ermelten unsern prelaten, unnd die uberigen zwen unser landtschafft
566uberantwurt. Geben zu am neuntzehenden tag des Monats Junij,
567nach Christi, unsers herrn, gepurt funftzehenhundert unnd im funf und
sechtzig-
568isten jare.
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Sachliche Anmerkungen