Bremer Vergleich ( 2. Mai 1561) - StAHH 710-1 I X 3
1Wir, , decanus, , senior, und gantze capittell der domkirchen
2zu , an einem, unnd burgermeistere unnd raedt der statt
3 anderß theilß, bekennen in diesem briefe fur unns und unsere nach-
4khommen an gemeltem capittell unnd , unnd fernehr1 fur alle die, so von unser beider
5seits wegen in nachfolgender handlung unnd vertrage begriffen seyn, jegen2 idermennig-
6lichen3, daß wir Gott dem Allmechtigen zu lob unnd ehren, unnß unnd unsern nachkhom-
7men am capittell unnd rahedt unnd sunst allen unnd jeglichen gaystlichen unnd weltlichen
8stants4 eingesessener cleresey5 unnd burgerschafftt der statt , zu wollstand6
9aller spenn7 unnd irrunge8, darumb wir, die vom capittell, gegen benante hern bur-
10germeistere unnd raedt, auch kirchengeschworne, burgere unnd gantze gemeinde vorge-
11nanter statt vor etzlichen jahren am keyserlichen cammergerichtt in rechtfertigung
12erwachssen9 unnd biß auff diese zeitt gestanden,10 auff vorgehabten zeittigen rahtt,11
13tractation12 unnd bedencken13, mith unserm guten freyen willen, ohne einiche bodrancknuß14, forch-
14te oder gefehrliche induction15, seind vorglichen16 unnd entlich vertragen17,
[Art. 1.1] dergestalltt,
15daß wir, domdechant unnd capittell neben unnd mitt unserm thumbprobst, wollen eynen
16Erbaren Raedtt der statt , ihre burgere, unnderthanen unnd semptliche ge-
17meinde vermuge des religion friedenß bey der Religion,
18glauben, bestellung der ministerien18, auch kirchen gebreuchen, ordnungen unnd cere-
19monien, so der Erbar Raedt in ihrer statt unnd gebiete auffgerichtet hatt, friedlich
20unnd geruebiglich19 pleiben laissen, unnd nicht practizieren20, sie davon zu tringen21
21oder bewegen, noch durch mandata oder jeniger anderer gestaltt22 beschweren23 oder ver-
22achten.
[Art. 1.2] Wyr obbemelte domcapittell wollen auch unsere gaystliche juris[-]
23diction dawider, biß zu entlicher vergleichunge der religion, nicht exerciren24, ge-
24brauchen oder uben, sonder soll alsolliche25 jurisdiction biß zu entlicher26 christlicher
25vorgleichung der religion ruhen, eingestellt unnd suspendirtt seyn unnd pleiben.
[Art. 1.3]
26Idoch wollen wyr, burgermeister unnd rahtt, den dohmprobst, dechant unnd ca-
27pittell nichtt hindern oder beeindrechtigen, ihre jurisdiction in criminalibus causis,
28wie von alterßhero gewohnlich unnd sie dessen exercitium, brauch unnd ubung gehabtt,
29uber die personen ihres thumbcapittels, vicarien, cemmerer, staff dreger27, vogtt,
30custere28 unnd kirchenknechtt29 zugebrauchen, sonder wollen sie dabey friedsam lassen,
31mitt dem bescheide, so fernhe in obberurten malefitz unnd criminall sachen30 die
32thetter in unnserer jurisdiction angetroffen, oder ratione domicilii31 oder delicti32
33gefallen, haben wir unnß den angriff vůehrbehalten, die thätter bey dem wyrdtt
34auff dem Winser baume33 eyn zu ziehen. Jdoch wollen wir alsolliche mißthätter
35inwendig vyer unnd zwentzich stunden dem domprobste, dechante vnnd capittell, ihrem
36cemmerern oder einichem derselbigen dienere auff ihre erste anforderunge folgen
37lassen34, wie sonsten in mehr orteren gebreuchlich, illesos35 unnd unvorletzet in deß
38capittels vorwahre36 zu überantwortten, folgends dieselben thetter nach gestalt der
39mißhandlong der gebuhr nach zu straffen.
[Art. 1.4]
Wyr wollen auch den
40thumbprobst, dechant unnd capittell nichtt hinderen oder beeindrechtigen, uber unnd
41zwischen obgedochten gaystlichen personen, auch ihren dieneren und wesentlichen
42haußgesinde, in civilibus causis unnd burgerlichen sachen die jurißdiction, wie sie
43deren von alterßhero in ubung gewesen, zu gebrauchen, doch mitt der beschei-
44denheitt37, daß wyr, domcapittell obgemeltt, auff den fall, da jemandtß von burgern
45oder inwohnern unnd verwanten der statt oder sonnst anderen fremb-
46den personen einen oder mehr unnsers mittelß38, thumbhern, andere gaystliche,
47unsere oder ihre dienere unnd haußgesinde, mitt rechte anlangen39 wurde, daß deme
48oder denen auff ihre ansuchunge geburlich unvorzuglich rechtt durch unns soll mitt
49geteileta werden, dermassen, daß die sache innerhalb sechß wochen soll anhengig gemachtt
50unnd zum lengsten inwendich40 jahres fristt nach gelegenhaitt darnach darinne erkhantt,
51und kheinem teile ursach gegeben werden, von weygerung oder verzognen rechtens41
52sich zu beclagen.
[Art. 1.5]
Daer jegen42 wollen wyr, burgermeister unnd rahdt, eß
53gleichermaissen in vorhelffunge rechtenns halten, so fernhe jemants von dem dom-
54capittell unnd clerisey oder ihren dieneren unnd wesentlichen haußgesinde, jenige bur-
55gere, inwohnere unnd verwanten, so unnserm gerichts zwang underworffen, mitt rechte
56anlangen wurde, daß inwendich sechs wochen die sache soll anhengig gemachtt unnd nach
57gelegenhaitt innerhalb jahres frist darinnen erkhandt werden, waß sich zu rechte
58eignen unnd gebuhren will.
[Art. 1.6]
Idoch sollen von unserer, diß dohmcapittels, juris[-]
59diction exempt unnd außgezogen43 sein der Doctor Theologiae oder Superintendens, Secundarius
60Lector, die pastoren, cappellanen, unnd dienere der vyer pfarkirchen44, item zu Sanct
61Jurgen45, dem Heilligen Geiste46, S. Johann47, Marien Magdalenen48, kostere49, schullmeistere,
62schulgesellen50, auch alle andere personen unnd kirchen dienere, ausserhalb
63in des raths jurisdiction gesessen, unnd gemeiniglich wollen wyr die synodalische,
64officialische oder einiche andere gaystliche jurisdiction, wie die nahmen hetten,
65nicht gebrauchen, ausserhalb dem, ßo in obengesetzten articuln vermeldet, son-
66der soll in allen anderen fellen, in maissen obstehet, alsolliche jurisdiction,
67vermuge des , biß zu entlicher christleicher vorgleichunge der streitigen
68religion ruhen eingestellt unnd suspendirtt sein unnd pleiben.
[Art. 2]
Wyr,
69burgermeistere unnd rahdt, wollen die eilff thumbhöfe51 bay ihrer von alterß her
70gebrachten freyheitt, so fernhe von thumb hern, in wellicher behueff52 die höfe ge[-]
71bauwet, ader andern gaystlichen personen, so dem thumb probst, dechant oder ca-
72pittell verwant sein, bewohnet werden, pleiben lassen. Dagegen wollen wyr dem
73capittell in gemein unnd unserß capittels personen insonderheitt in
74alsollichen höfen kheine mißthetter oder jemants, ßo deß rahtß jurisdiction ratione
75delicti vel domicilii53 underworffen, wider deß rahts willen nicht underschlauffen54, unnd
76einem Erb[aren] Rahtt auff ihre anforderunge dieselbigen unweigerlich folgen lassen
77unnd nichtt vorenthalten. Wurde auch ein oder mehr berurter thumbhöfe von
78welttlichen personen bewohnett (welliche doch, so dieselbigen einem Ehrb[aren] Rahte auß
79billichen55 ursachen unleittlich56, von unnß in gemein oder von den capitular personen
80nichtt sollen underhalten werden), alsdan sollen alsolliche inwohner der gebuehr
81nach57 unnd vermuge alter concordien58 wie andere burgere steuren59.
[Art. 3.1]
82Wyr, burgermeistere unnd rahet, wollen in beneficialibus60 dem domprobste, thumb[-]
83dechant vnnd capittell, wie gewontlich, die investitur unnd institution61, so dem capittell
84von alterß hero geburet hatt, nichtt vorhindern, doch mitt dem bescheide62, dieweile wyr
85oder ein andere sonderbahre personen zu ettlichen lehnen daß jus patronatus63 haben,
86so soll unns oder andern patronen in ihrer gerechtigkaitt nichts benohmen sein. Der
87gestaltt, wanner wyr ader andere, so daerzu berechtigtt, alse patroni dem thumbprobst,
88dechant unnd capittell zu alsollichen lehnen eine taugentliche64 personen praesentiren
89wurden, soll der thumb probst, dechant unnd capittell uff conscientz65 der patronen
90oder presentanten, ohne fernher inquisition66, die presentirte personen, gegen erstattung
91gewonlichß statuten gelts unnd eidts, wellicher eidtt alleine auff getreuwe ver-
92waltunge der guter ihrer beneficien unnd dieselbige gefehrlicher unnd ungebuehrlicher
93weise von den beneficien nichtt zu alieniren soll gerichtet seyn, ohne allen weittern
94zusatz in den vyer pfarkirchen, auch im thumb, in den vicarien unnd com-
95menden, zu wellichen wyr oder andere laicj das ius patronatus haben, schuldig
96sein, dieselbige zu investiren unnd institueren, doch soll niemandtt investiertt
97werden, er sey denn ein scholar67 oder in universiteten gestanden unnd das er seyn
98studieren nicht ubergeben habe68, unnd da er sich zu welttlichen emptern begeben wurde,
99so sollen solliche beneficia ipso iure69 vaciren70, unnd andere vorgeschriebner maissen
100taugentliche personen, durch die patronen præsentirt unnd die investituer, gegen er-
101stattunge, (wie obengesetzet) gegeben werden, unnd zu vorhutunge aller gefehrlicheitt71
102unnd weiterunge72, so offtt sich angeregter fall begeben wurde, soll dasselbige dem patronen
103durch die hern deß capittels denuncijrt73 unnd angekhundigtt, unnd inwendich dreyer monatt
104darnach, von zeit der denunctiation unnd a tempore scientiae74 an zu rechnen, ßoferne
105der patron binnen landeß, oder in sechs monatten, so ferhne der patron ausserhalb
106landeß, durch den patronen eyn andre persone, wie vorgemeldett, den collatoribus75
107præsentirt werden. Wo aber die patron in gesetzter frist, nach empfangner
108denunctiation, darin seumich wurde, soll pro illa vice76 die provision derselbigen an
109thumbprobst, dechantt unnd capittell gefallen seyn.
[Art. 3.2]
Wyr wollen unnß auch
110aller collation77 der gaystlichen lehne, welliche in deß capittels monatt78 erleddigtt unnd
111vacieret, oder so dem thumbprobste, dechant oder capittell ohne alle mittell zu conferi-
112ren gebuhren, hinfernehr enthalten. Daerjegen wollen wyr, dohmcapittell,
113auffrichtich damitt handlen.
[Art. 3.3]
Unnd nachdem zu richtig machunge der lehne, so ex-
114periert79 ader durch andere wege derselbigen guitter80 corpora unnd andere jahrliche hebunge
115enthwendet oder underschlagen sein, von noten ist, daß eine visitation von uns, dem
116domcapitell, furgenohmmen unnd Ein Erb[arer] Rahet auff ditz mahll etzliche personen da-
117bey zuvorordnen von unnß angelanget81 unnd gebetten werde, wollen wyr dasselbige
118furdersaem unnd zu erster gelegenheitt wurcklich an unnd fur die handt nehmen,
119unnd sollen die visitatores gruntlich aller patronattschafftt, unnd waß von den bene-
120ficien verrucktt, auch der experierten82 lehne gelegenheitt sich fleissig und eigentlich
121erkhunden, doch soll die beyforderunge welttlicher personen bey diese visitation
122unnß in unserm jure visitandi, folgendß fur unns alleine zu thuende, unschedlich seynn,
123unnd nach volnnfurter visitation sollen die visitanten daruon unnß bestendige
124relation83 thuen, auch soll einem Erb[aren] Rahde, worin die mangell befunden, grunt-
125lich angezeigtt werden.
[Art. 3.4]
Unnd so viehle die expirirten84 lehne belangtt, khonnen
126wyr, domcapittell, zwischen unns unnd den patronen jegliche unnd friedsame handlung
127unnd mittell leiden, aber dasunst befinden, daß etwas von den beneficien ungebur-
128lichermaiß alienirt, occupirt oder entzogen, wollen wir in gleichnuß auch wier,
129burgermeister unnd raht, jeder die vnsere ernstlich nach eusserstem vermugen dohin halten,
130dasselbige bey unnd an die beneficia, daruon eß entwendett, wederumb zu bringen,
131alß auch ein Erb[arer] Rahtt oder die burgermeistere etzliche beneficia fur dieser zeitt
132conferirt unnd vorlehnet haben, daran doch wir, domcapittell, ihnen deß iuris
133conferendi nichtt gestendich, auch andere personen dieselbigen erlangtt, haben
134wir dennoch umb mehrer ruhe unnd friedenß willen nachgegeben, daß die itzigen
135belehneten des rahtts auff billiche contentation85 der impetranten86 nach erkhanttnuß87
136unnd messigung88 der negsten visitatoren, sofernhe sie sunst daruber sich nichtt khonten
137vorgleichen, dabey sollen gelassen werden. Idoch wollen wier hiemitt an[-]
138geregten impetranten die persecution89 ihrer rechten auff den fall, da sie mitt
139diesem mittell nitt friedich90, furbehalten haben.
[Art. 3.5]
Dagegen wollen wir, burger-
140meister unnd rahtt, hinfüro dergleichen collation im thumb unnß enthalten, aber
141mitt denne lecturen im thumb unnd underhaltunge der lecturen soll eß
142bey itziger verordunge gelassen werden, doch daß nach abgange deß itzigen Docto-
143ris Theologiae unnd deß Sublectorn M[agistri] , die
144negest folgende Doctor Theologiae unnd Sublector unnd ihre successores91 hinfurder
145von dem structurario92 unnd elttisten burgermeister die praesentation, aber von
146unnß dem thumbcapittell die collation unnd possession empfangen unnd annstatt des eidts
147mith ihrem handtgelubde93 sich verpflichten, in massen hie oben von andern beneficiaten,
148so vom Erb[aren] Rahde oder andern patronis presentirt werden, gesetzet, auch gewohn-
149liche statuten betzalen.
[Art. 4.1]
Die memorien94 in den vyer pfarkirchen sollen bey
150den kirchen pleiben unnd den gemeinen vicarien, so daerzu berechtigett, ohne verhinde-
151rung unnd impaß95 außgeteilet unnd zugestellett, auch in prophanos usus unnd weltliche
152ungeburliche gebrauche kheines wegeß angewandtt werden.
[Art. 4.2]
Jedoch, dieweill nach ende-
153rung der religion in der statt eine summa geldts alle jahr auß den me-
154morien zu underhaltunge der schulen, als einem noittwendigen, nutzbarn96 unnd christ-
155lichem amptt97, verordnet unnd bestellet, so haben wyr Domcapittell zu erbawong98
156gemeinen wollstandß unnd alles guten, erbahrlichen wesens, nachgegeben unnd bewilligtt,
157daß hinfuro sollen die monitorn99 in den vyer pfarkirchen den vorstendern der schulen
158sechß hundert Marck Lubisch100, zu underhaltunge der schulen unnd besoldunge der schull-
159meistern, auß obberurten memorien zu uberantwortten unnd behendigen schuldig seyn,
160unnd mith dem ubrigen der memorien, ßo eyn grosses unnd mergklicheß, soll es ge-
161halten werden, wie obstehet.
[Art. 4.3]
Nachdem auch die hern deß capittels alle vnnd itz-
162liche der geystlichen lehne, silberen unnd golden clenodia101, kirchen unnd altar zirath102, siegell
163unnd briefe103, so bey dem Erb[aren] Rahde oder den burgern verhanden, uff der thumbkirchen
164treße104 in zeiten der ersten visitation lieberen105 zu laissen gesonnen, unnd wyr, bur-
165germeistere unnd rahtt, es darfur halten, daß bey unns sollicher stuck nichtt enthalten,
166da eß dennoch uber unsere wissenschafftt106 doselbst oder bey unnsern burgern befunden
167mochte werden, in dem wollen wir aller unverweißlichen gebuehr107 unnd dermassen
168unns ertzeigen, daß den gaistlichen beneficien wider rechtt unnd fuge108 nichts soll furent-
169halten werden.
[Art. 4.4]
Wir wollen auch auß unnsern unnd unserer underthanen
170dorffern alle hebunge an khorn109 unnd gelde, dem domcapittell restituiren, unnd die
171leuthe anhalten, die retardata110 zu betzalen an enden unnd orten, da dem domcapittel
172unnd clerisey sollichß gebuhret.
[Art. 4.5]
Wir wollen auch dem domdechantt am klos-
173ter Hervesthude111, itzo binnen , seine alte gerechtigkeitt, also eynen Hamburger
174gulden jahrlichß, folgen112 lassen, unnd sollen einem vicarien zu einer vicarien
175Beatae Mariae albae im thumb von demselbigen closter zwo Marck vier schilling jehrlich
176gegeben werden. Wir wollen auch alle jehrliche hebunge von deß klosters
177dorffern restituirn unnd die retardata betzalen lassen. Dagegen wollen wir,
178domcapittell, unnsern gerichts leuthen zu Sasell ernstlich befehlen, dem Kloster
179Hervesthude daß ihrige, so sie inen schuldig, zu entrichten.
[Art. 4.6]
Wyr, burger-
180meister unnd raht, wollen auch daß khorn samptt einen wispell113 weten moltes114 auß
181der muhlen unnd dem Heilligen geiste sonder arrest dem domcapittell folgen115 laissen.
182Darauß umb deß arrestes willen einem Erb[aren] Rahde ein wispell vor zeitten durch freuntt-
183schafftt nachgegeben worden, welliche betzalunge jeder Zeitt gescheen soll unnd gebuert
184zwischen Martini116 unnd Nativitatis Christi117. Dagegen wollen wir, domcapittell,
185dem doctori theologiae unnd superintenden in der thumbkirchen, nach bezalunge
186der statuten, seine geburende hebunge auch folgen lassen.
[Art. 4.7]
Wyr, bur-
187germeister unnd rahtt, wollen auch der thumbkirchen, dem capittell, thesaurarien118,
188kemmerern unnd andern deß capittelß officianten, vicarien unnd commendisten
189ihre gewonttliche jehrliche grunthure119, creutz pfenning120 unnd andere gefelle, binnen unnd
190fur der statt allenthalben widerumb folgen unnd die retardata betzalen
191lassen an enden unnd orten, da sie dessen befuegtt zu sein, gebuerlich bescheinen
192werden.
[Art. 5.1]
Im fall auch wir, burgermeistere unnd rahtt, oder unnsere
193burgere auff der thumbkirchen unnd capittels oder ihrer verwanten hofe oder
194grunde in oder ausserhalb , ohne ihren willen, ethweß gebauwett hetten, daer-
195fur sollen die guethern von unns oder unnsern burgern, von wellichen daß gebau ge-
196scheen, befriedigtt werden in allem, darin sie befugtt, bey erster ihrer anforderunge, oder
197wir unnd unsere burgere wollen sollich gebau abbrechen. Unnd nachdem ethweß von
198deß capittels grunden in der statt vestunghe getzogen, sollichs soll ohne widerstattunge dabey ge-
199laessen werden; sonst wollen wir auch daß Domcapittell, den platz bey dem dohme unnd
200schulldore in itzigem stande lassen unnd khein part daerauff bauwen oder andern zu
201bauen verstatten. Sonnst soll von wegen der Sieben Höfen zu Hamma121, bey negster Visita-
202tion in jegenwartt der dryer vicarien, so sich der jurisdiction deß orts annehmen, guetliche
203handlonge fuergenommen werden.
[Art. 5.2]
Wir Burgermeistere unnd Rahtt wollen auch hinfuro
204von der gantzen clereseyen unnd deß Domcapittels verwandten gaystlichen stands unnd
205kirchen dienern obgemeltt, in massen sie von alterßhero darfur gefreyett, khein wachtt-
206geldtt122, stattknechte geldtt123, hennkergeldtt124, schott125 unnd andere deß gleichen nichtt schatzen.
207Sie sollen auch nichtt bey tage oder nachtt in den graben zu gehen, auch zu wachen gedrungen,
208sonder bey aller freyheitt gelassen werden. Also wollen wir auch auß den
209freyen wohnungen under der decheneien unnd so andern domhern hofen annectirtt
210unnd inverleibtt unnd sonst auff der thumbkirchen unnd andern freyen grundtt unnd
211boddem gelegen, daruon in den alten versiegelten concordien angerurtt, kein schott,
212schatz oder andere burger pflichtt furdern lassen, so ferhne dieselbige von gaistlichen unnd
213kirchendienern werden bewohnett, sondern unns deß enthalten, unnd berurte heuser frey
214laessen. Aber welttliche sollen steuren, alß obengesetzett. Wir wollen auch der cleri-
215sey gutter mitt einichen arrestt126, ausserhalb ordentlichen rechten, auch mitt inventirunge127
216nichtt beschweren.
[Art. 5.3]
Dagegen haben wyr, domcapittell, nachgegeben, daß obwoll unn-
217ser kemmerer hiebevor in seiner behausunge ohne accyse128 weyn unnd byer geschencktt129,
218daß sollichß hinfuro vorpleiben130, aber sonnst genantem kemmerer sein ellerholtz131 samptt
219wischen132 am Billwerder133 gelegen, auch der kampe134 fur dem ellerholtze, so viehle von demselbigen
220noch vorhanden, wellichß auff erkundunge bey der negsten visitation steett, gefolget soll
221werden.
[Art. 5.4]
Aber der streitt zwisschen unns, dem domcapittell unnd dem rahde, von wegen
222einer wische135 fur dem Damdore136 unnd einer fur dem Schardohre137, item von wegen deß Nording-
223buttelß138 soll auff der außfurung unnser beiderseitz rechten beruhen, zu guettlicher handlonge bey
224der negsten visitation, oder zu rechttlichem außtrage per viam compromissi139, soferne gutt-
225licher enttscheidt alßdan140 nichtt zu erlangen.
[Art. 6.1]
Wir, burgermeister unnd rahtt,
226wollen dem domcapittell copeyen aller siegell briefe141 unnd jurium142 der doctorien im
227dohme zugehorich, welliche unns fur etzlichen jahrn auff unnsere kammerey
228geliebertt143, in unserm besondern versiegelten reversall144 zustellen, in wellichem, daß
229solliche briefe bey unnß zu getreuen handen in deposito145 sein, soll bekhantt werden.
[Art. 6.2]
230Wir wollen auch befurdern, daß dem domdechanten, capittell, provisorn unnd gantzer cleri-
231seien auß den ewigen testamenten146, ihres inhalts, alß nempttlich ,
232147, 148 unnd anderen dergleichen testamenten, jedertzeitt, waß darin-
233ne verordnett, muge gehalten unnd gefolgtt werden.
[Art. 6.3]
Also khonnen wir auch leiden unnd
234wollen befurdern, daß zwisschen unns unnd dem domcapittell guettliche handlonge furge-
235nohmmen unnd billiche vergleichunge getroffen werde von wegen deß Papenwerderß149,
236Westenhoffstede unnd den waldttmarcken zwischen unnd , und
237einer grossen wisch150, dabey gelegen.
[Art. 6.4]
Sonst soll in dem Hasenmohr151 der alte gebrauch lautt
238daruber auffgerichteden vertrags gehalten unnd auff die jugent und burger kinder mitt
239ernstlicher zuchtigonge gesehen unnd ihnen gewehret werden, die unnsere am thumb
240unnd den angehorigen gebeuen auß zu werffen oder zubrechen unnd sunst deß ordts zu
241fluchen, schwern152 oder andern muitwillen unnd unzuchtt153 zu treiben, dagegen wier
242beider seits die geburnuß beschaffen wollen.
[Art. 6.5]
Im fall auch nach erkundigter gelegenheitt
243befunden wurde, daß zu der ungebuehr154 etwas entwendett von der fundation155, juribus unnd
244andern angehorungen Marien zeitten156, wollen wir, burgermeistere unnd raht, auff
245anforderunge des thumbcapittels darumb, auch jegen hern , ethwan157 raht-
246mans zu , Heinrichen Ryscher unnd der Alten Soltowischen Erben, so die zu rechte vom dom-
247capittell umb ungebuhrliche verwendunge geisttlicher gutter beschuldigtt werden, ordentlich unnd
248gebuhrlich rechtt ergehn laessen.
[Art. 6.6]
Aber von wegen deß newen schedesteins158 zwischen
249unnd der Behren159, so fernhe bekundigtt kan werden, daß wir beiderseits darumb unnß hie
250bevorr vorgleichett, soll es dabey gelassen werden.
[Art. 6.7]
Nachdem auch die lade, zugehorich
251 zeligen testament160, mitt ihren einvorwarten161 clenodien, sziegeln unnd brie-
252fen, auß des eltisten burgermeisters hauß in ihre alte gebürliche stette, alß dem
253doctori theologiae widerumb gelibertt162 ist, in gleichnuß so bescheinett wurde, daß zwischen
254unns, den burgermeistern unnd rahtt, unnd den testamentarien163 vorgemeltts testaments
255transigirt164 von wegen sechtzigk Lubischer Marck jahrlichen hebunge, wollen wir, domcapittell,
256es dabey laessen.
[Art. 6.8]
Aber so befunden wurde, daß von unns, dem rahde, buchsen-pulver165
257unter die thumbkirchen gelegtt, dasselbig soll hinweg gebrachtt, aber victrill166, salpetter
258und schwefell167 mag daselbstt gelaessen werden, dergestaltt, wen es dem capittel nichtt
259lenger leidtlich168, wollen wir dieselbigen stuck auch hinwech schaffen, unnd sonnst dem domca-
260pittell wider Werner Rolevingk169, da er durch freuntliche abhandlonge sie nichtt wirdett clag-
261loeß machen, geburlich rechtt mitt theilen, unnd gemeltem domcapittell jahrlichß sechs
262unnd dreyssig Marck Lubisch ungefehrlich aus dem zollen auff Lucie170 bedagtt, so fernhe die
263Grafen von Schowenborch171 daran kheine verhinderung thuen, mitt den retardaten172 betzalen,
264auch sie unnd ihre rithmeistere173 bey ihrem alten gebrauch in zuchtigung ihrer lantsten174 unnd
265leuthe lassen, und so viehle mueglich unnd thuinlich, wollen wir dem thumbcapittell,
266auff ihre ansuchen, beraten unnd hilfflich erscheinen, damitt ihre domhern hofe durch ge-
267waltt, wider ihren willen, von niemants mugen innegehalten unnd bewohnett werdenn.
[Art. 7]
268Unndt im fall, da sunst mehr irrige stuck zwischen unnß, domcapittel unnd raht, furhanden, wel-
269liche in dieser concordien außdrucklich nichtt vorglichen, dieselbigen sollen von obgedachten visita-
270torn fur de handtt genommen unnd, so muglich, bey der ersten visitation entscheiden werden.
271Also auch, dahinfurder zu erkundigen, oder bey kunfftiger Visitation sich ereugende, daß etwaß in
272dieser concordien unbegriffen, daran von rechts unnd billigkeitt wegen dem domcapittell die resti-
273tution geburett, sollichß ist ihnen zu specificiren unnd darauff bey unnß, dem rahde, restitutionem
274zu erlangende, die ihnen auch geburlich widerfahren soll, furbehalten. Alle kosten, scheden, zerun-
275ge, bottenlohn, unnd waß sonst wir, domcapittell, an einem, unnd wir, burgermeister unnd
276rahtt mitt unsern consorten175, anderß theilß, auff diese sache unnd von wegen derselbigen in oder
277ausserhalb gerichts auffgewendet, wie dasselbige nahmen haben mochte, sollich alleß unnd jedeß haben
278wir auß freiem willen jegen einander compensirtt176, zu dem auch wyr, domcapittell, unser in-
279teresse unnd anteill an den condemnatis177 dem Erb[aren] Rahde unnd gemeiner statt nachgegeben178.
[Art. 8]
280Dagegen haben wir, burgermeistere unnd rahtt guitthertziglich angesehen die jegenwertigen
281baufelligkeitt der domkirchen zu unnd den unvermugen, darein daß domcapittell
282durch allerhandtt widerigen zustandtt gerathen, unnd ihnen funff tausent Marck Lubisch179
283inwendich180 zehen jahren zu betzalen glaublich versprochen unnd verschrieben, inhalts
284eyner besondern obligation, so wir ihnen daruber gegeben.
[Art. 9.1]
Im fall auch kunfftigers,
285unserer ein theill von dem andern wider diese concordia beschweret zu sein vermeinen
286würde unnd wir under unnß darumb nicht khenten freuntlich verglichen werden, haben
287wir freywilliglich unns hiemitt volgender gestaltt in ein ewig werend compromiß begeben:
288Das bey dem Ehrw[ürdigen] Thumcapittell zu , wellich wir, domcapittell zu ,
289unnd dem Erb[aren] Rathe der statt , welliche wir, der rahtt zu , darzu erbetten
290unnd hiemittb bonennet haben, der clagende theill seine nottorfft anzeigen sollen, unnd ob dieselbe
291vormittelß guittlicher handlong durch ihre vollmechtige181 oder commissarien den irsallen182
292nichtt abhelffen konten, daß alßdan dieselben, durch schleunigen schrifftlichen process, bei-
293der theill nottorfftt zu rechte annehmen, unnd unns inwendig jahres fristt, von zeitt ange-
294stalter gerichttlicher clage anzurechnen, durch ihr laudum183, machtspruch unnd willkohrlich184
295erkenthnuß185 entscheiden sollen. Dabey es auch ohne alle appellation186, reduction187 oder eini-
296ge ausfluchtt, wie die schein unnd nahmen haben mochte, soll gelassen unnd dem laudo und
297machtspruch von unß beider seits gehorsambtt werden, bey peen188 zweier tausent gulden,
298idern gulden zu vier unnd zwantzich schillingen Lubisch zu rechnen. Eß soll auch daer-
299auff der gewinnende theill wider den ungehorsamen am keyserlichen cammergerichtt exe-
300cution auff daß laudum oder urtheill, in geleichnuß auch auff die berurte geldtt peen,
301nichtt weiniger zu bitten unnd wurcklich zu prosequiren haben, alß ob sollich laudum
302oder urtheill an wollgemeltem cammergerichtt wehre außgesprochen.
[Art. 9.2]
Im fall auch
303die gerurte scheideß herrn189 durch ihre verordenten, in guthe oder durch ihre rechtliche außspruch,
304unns jegeneinander inwendig eineß jahreß fristt, in maessen furgesetztt, nichtt entscheiden
305wurden, alßdan soll dem clagenden theill hiemitt vuerbehalten sein, seine clage am keyser-
306lichen cammergerichtt oder regiment, so von wegen der Key[serliche]n May[estä]tt[e]n unnd deß heiligen
307in teutschen landen zu jedertzeitt sein wirdet, anhengig zu machen unnd außzufuhren.
308Dagegen auch der beclagte theill fori declinatoriam190 oder andre gleichmessige behelff, nicht inn-
309wenden soll.
[Art. 10.1]
Wyr, burgermeistere unnd rahtt, wollen hinfuro in allem guten den
310thumbprobst, dechantt unnd capittell unns lassen befolhen sein, die schutzen unnd schirmen, auch nie-
311mants, daruber wir zu gebieten oder vorbieten haben, wissentlich verstatten, sie zu verachtten oder
312die personen zuvorkleineren191, schmehen, iniuryrn192 oder bespotten, sondern da wir dessen gnug-
313sam berichtett, der gebuhr nach straffen. Dagegen wollen auch wir, domdechant unnd
314capittell neben unnd mitt unserm thumbprobst, aller bescheidenheitt unns wissen zu gebrauchen
315unnd nichts, wie obsteett, verursachen.
[Art. 10.2]
Waß auch fuer personen von unnser beiderseits wegen
316in dieser sache sich haben laessen gebrauchen, sollen derhalben von kheinem theile benei-
317dett oder gehassett, dargegen auch nichts heimlich oder offentlich practizierett oder fur-
318genommen werden, sonder wyr, domcapittell unnd rahtt vorgemeltt, auch unsere nach-
319khommen an dem capittell unnd statt , unnd unser beiderseitz mithbeschriebne, sollen
320unnd wollen alles, wie obstehtt, samptt unnd besonder mitt alle seinen inhaltungen, clausulen
321unnd articuln wahr, stehtt, fest unnd erbahrlich haltten unnd dieser concordien auffrich-
322tig unnd unverweißlich nachleben, dawider wissentlich nummer thuen, in wasserley
323schein unnd nahmen daß auch geschehen mochte, unnd verzeihen193 unns, fuehr unns unnd unsere
324mitt benante an beiden theilen, hiemitt aller privilegien, freiheiten unnd gnade, die jeder theile
325gegeben seind oder hinfuro hiewider gegeben und erworben werden mochten, unnd sunst alleß
326deß, damitt wir unnd jedes theill insonderheitt wider diesen vertrag sich beschirmen oder be-
327helffen khonte oder mochte.
[Art. 10.3]
Unnd nahmhafftiglich wir, domcapittell, renuncijren194 hiemitt liti
328et causae absque ulla protestatione et reservatione195, so von obengesettzter stuck wegen, am keyser-
329lichen cammergericht biß auff diese zeitt anhengig gewesen, in aller besten unnd bestendigsten
330form rechtenß, lautt eins besondern daruber auffgerichteden instrumentts, haben auch zu
331mehrer befestigung dem Erbarn Rahde die erlangte executorialn196 ubergeben.
[Art. 10.4]
Also
332auch wir, burgermeister unnd rahtt, cassirn und heben auff hiemitt in bester form
333rechtenß das jenige, so ethwan durch unsere unnd gemeine statt verordnung
334oder receß197 mochte eingeführett sein, so weith unnd fernhe dasselbige dieser concordien zuwider
335verstanden unnd außgelegtt khonte werden, argelistt und gefehrde von dem allem gentz-
336lich außgeschlossen.
[Art. 11]
Unnd nachdem vorgesetztter massen diese sache abgehandlett unnd
337mitt unnser beider partt wissen unnd guten willen verglichen unnd vertragen unnd in
338diese schrifftliche concordia verfassett sein, so haben wir, domdechant, senior unnd capittell
339der domkirchen, unnd wir, burgermeister unnd rahtt der statt , fur unnß
340unnd unser beiderseits nachkhommen unnd mithbenante an gemeltem capittell unnd statt, un-
341serer kirchen unnd statt sziegell wissentlichen heissen hangen an diesen brieff, deren zwey
342eynes inhaltts gemachtt unnd iderm theill einer daervon zu gestellett ist. Wir haben
343auch die Ehrwirdige, Ernttvheste, Hochgelarte, Erbahre unnd Weyse Hern Domprobsten,
344Domdechantt, Seniorn unnd Capittell deß Ertzstifftts unnd Burgermeistere
345unnd Raht der statt freuntlich vermochtt, mitt ihreß capittelß unnd statt
346siegell, umb mehrer wissenschafftt willen, diesen brieff neben unns zu befestigen,
347unnd bekhennen wir, domcapittell zu unnd rahtt zu , daß wir
348auff obengesetzter partheien freuntlich gesinnen unsers capittels unnd statt sziegell,
349mehrer wissenschafftt halben, idoch unns unnd unsern nachkhommen ohne schaden,
350neben deß capittelß unnd rahdeß zu sziegeln haben befohlen zu hangen an
351diesen brieff. Wellicher gegeben unnd geschrieben ist binnen198 auff dem
352thumbcapittel hause nach unnserß hern unnd selichmacherß geburtt tausent funff
353hundertt eyn unnd sexich den zweyten tagk May. Vnderhandlerß hern, die
354Erwurdige Ernueste hochgelarte vnnd Erbare Eren ,
355thumbprobstt, et , der rechten doctor unnd thumbdechant, vnnd
356, probst zu S. Anscharij zu . Von wegen deß humbcapittelß
357zu vorhandelerß die auch Erwurdige Ernueste unnd Erbahre
358, dechant, , structurarius, , cantor,
359, unnd , secreta-
360rius. Von wegen eynes Erbarn Raedts zu vorordnete unnd abge-
361sante, die Achtbare Weise hochgelarte unnd Erbare hern ,
362, beide burgermeistere, , doctor unnd syndicus,
363 unndt , der rechten licentiaten, beide raedtmanne zu
364, unnd , heillige leichamß schworen199
365zu S. Niclaen unnd S. Peter auß der gemeynn.
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Sachliche Anmerkungen